Barbie, die blonde Superfrau und ich

Ich kann mich noch dunkel erinnern, dass meine Mutter und meine Oma eine ernste Diskussion miteinander führten. Über Barbie. Ich spürte, das würde kein guter Tag werden.

Barbie. Die Wunderfrau. Die blonde Superbiene. Grosse Brüste. Schmale Taille. Veilchenblaue Augen. Das Feindbild aller Feministinnen.

Aller Feministinnen?
Nein. Eine, die hier diesen Text schreibt, liebt(e) ihre Barbies.
Sie erahnen schon. Ich bin ein Fangirl.

Im Ernst. Ich habe meine erste Barbie mit 9 bekommen. Ich erinnere mich an sie noch sehr viel besser als an meinen ersten Freund, obwohl der später kam.
Die Pfirsichblütenbarbie. Ich erhielt sie von meiner Grossmutter zu Ostern. Pfirsichblütenbarbie, ich nannte sie Mary, war schön! Ich liebte ihr Ballkleid. Ich mochte ihr schönes Gesicht. Ich staunte über den feinen Stoff und den tollen Schnitt.

Viel mehr noch als die Ballkleider hingegen liebte ich die Barbie Couture. Ich mochte die einfachen kleinen Kleider in bunten Farben. Das tue ich heute noch. Ich denke nicht, dass ich jemals daran gezweifelt habe, dass Barbie eine Kunstfigur ist. Eine Puppe. Eine Barbie halt.

Als kleineres Mädchen erhielt ich von meinem Paten Puppen. Babypuppen. Puppen mit langen Haaren. Gross und lebensecht. Ich habe diese Puppen so gehasst! Ich wollte nicht Mutter spielen. Ich sah keinen Sinn darin, ein aus Gummi oder Plastik hergestelltes Ding zu füttern. Auch nicht pro forma.

Barbie hingegen war die Verheissung einer erwachsenen Welt. Ich wollte, wie Barbie, irgendwann mal knielange Jupes, schöne Blusen und tolle Unterwäsche tragen. Ich wollte, wie Barbie, einen tollen Job und schöne Möbel. Barbie war selbständig, schön und toll. Ein Vorbild.
Wenn Barbie mir so die Kindheit versaut hat, dann danke!

Das einzige, was mich an Barbie nachdenklich macht, ist die Art und Weise der Herstellung. Wer arbeitet in diesen Fabriken? (Frauen, na klar!) Sind sie anständig bezahlt? Wie sind ihre Arbeitsbedingungen?

Meine Mutter und meine Grossmutter stritten sich über Barbie. Meine Mutter war sauer, denn sie fand es nicht lustig, dass ich von Oma eine Barbie bekam und sie als Kind nicht. Man höre und staune.

Ich habe (leider) keine Tochter.
Wenn ich eine hätte, würde ich ihr vielleicht eine Barbie, ja sogar eine dieser grässlichen Vampirpuppen, kaufen, wenn sie denn eine haben möchte.
Falls sie lieber einen Traktor oder einen Bagger haben möchte, würd ich ihr halt den schenken. Ich habe ja Geld. Es geht mir gut.

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