Ein Plädoyer fürs Absitzen

Liebe Männer

dass ich diese Zeilen schreibe, hat nichts damit zu tun, dass ich in irgendeiner Art und Weise eine Männerhasserin bin. Im Gegenteil. Ich liebe Euch. Zumindest einige wenige von euch mag ich sehr gern.

Aber es ist nun mal so, dass einige von euch furchtbar nerven.
Jede Frau in einer ähnlichen Situation wird mich verstehen. Man arbeitet im gemischten Team. Es gibt keine geschlechtergetrennten WC’s, sondern nur das eine. Und das teilt man brav untereinander, so wie die Butter aufm Brot.

Liebe Männer
ich habe nichts dagegen, dass ihr Pipi im Stehen machen könnt. Im Gegenteil. Ich finds ‘ne grossartige Erfindung der Natur, dass ihr freischwingende primäre Geschlechtsorgane habt. Nur, ich hab keines und ich will nicht Eure „Butter“ auf meinem Klositz wegputzen müssen.

Fühlt euch doch bitte ganz Mann, dort wo’s passt: in der freien Natur, unter gesunden Bäumen und meinetwegen in Euren etwas versifften Buden. Aber dort, wo wir Frauen mit euch Männern die Kloschüssel teilen, da heisst es:

Sitz oder zieh zumindest ‘ne Brille an, Mann!

Beste Grüsse

Eure Zora.

Vom Schlagen, Geschlagenwerden und der Scham

Ich finde es immer wieder sehr speziell, wenn jemand erzählt, dass ihm eine Ohrfeige nichts geschadet habe. Diese Menschen schildern dann in bunten Farben, warum es in diesem oder jenem Moment so wichtig war, dass ein Elternteil (oder wer auch immer) sie ins Gesicht geschlagen hat, nur um sie zur Räson zu bringen.

Ich gehöre zu jenen Menschen, die seit frühester Kindheit Gewalt erlebt haben. Ich wurde als Kind geschlagen, getreten und Ohrfeigen waren, weiss Gott, das Mindeste, was ich erlebt habe. Geschlagenwerden entwürdigt einen Menschen. Ein Schlag ins Gesicht tut weh, besonders von den Menschen, von denen man als Kind total abhängig ist.

Mir hat es nicht “gut getan”. Ich kann nicht von mir sagen, dass auch nur irgendein Schlag irgendetwas in mir zum Besseren verändert hat. Im Gegenteil. Es macht mir heute noch Angst, wenn ich mitbekomme, dass Menschen Gewalt verharmlosen. Ich finde das schrecklich. Eltern, die ihre Kinder schlagen und das mit Erziehung oder gar Liebe verwechseln, geben die Gewalt einfach weiter.

Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie schamhaft es für die Schlägerin, meine Mutter, war, wenn sie mich geschlagen hat. Das war kein Gefühl von Überlegenheit, sondern von Verzweiflung und Ohnmacht.

Schlussendlich muss jedes Elternpaar selber wissen, wie es seine Kinder erzieht. Aber ich denke, Schläge sind kein Weg, sondern nur eine Einbahnstrasse.

Übers anonyme Bedrohen und Beleidigen

Gestern war einer jener Tage, an denen ich nur ein Mü’ davon entfernt war, meine Accounts zu löschen und einfach so zu verschwinden.

Ein Phänomen, dem ich immer wieder begegne in letzter Zeit, ist das Beschimpfen und Bedrohen. Man hat mir geraten, Anzeigen bei der Polizei zu machen. Ich denke, es ist eine sinnlose Geschichte.

Während die konservativen Kräfte in der Schweiz die Meinungsfreiheit und ihr Recht auf Diskriminierung anderer hoch halten, ist es im Netz schon längstens Realität. Die Anonymität gibt dir schliesslich immer recht.

Im Rahmen der #mei-Abstimmung, in der ich mich offen zu einem Nein bekannt habe, wurde mir bewusst, wie die Kräfte wirklich spielen.

Nach der Abstimmung bekam ich vereinzelte Tweets, in denen man mir noch mehr oder weniger freundlich die „Ausreise“ aus der Schweiz empfahl. Menschen, die neben ihrem Hass noch ein wenig Stil besassen, wünschten mir einen Koffer, die weniger netten lediglich einen gepackten Rucksack.

Einige Tage später wurden Rückmeldungen etwas heftiger. Eine Reise ins KZ unter die Vergasungsdusche war ein Wunsch an mich, dem ich leider nicht nachkommen konnte. Ein anderer wünschte sich, man würde einer wie mir das Gesicht wegschiessen. Offenbar hatte dieser gerade eine Doku über Verletzungen im Ersten Weltkrieg gesehen und/oder mochte meine Wangenknochen nicht leiden.

Ich bin keine öffentliche Person, trotzdem beschimpft „man“ mich in Mails oder Tweets als „linke, abartige, geistig längst weggetretene Stinkf****“. Vor Weihnachten hat mir einer gewünscht, man möge mich doch bitte schnell vergewaltigen. Den Tweet hat er sehr schnell wieder gelöscht. Man(n) macht ja ganze Arbeit.

Natürlich kann ich jetzt mit all den Mails zur Polizei gehen. Aber ich glaube nicht, dass sich was dran ändert. Es kriegt keiner in diesem Land eine Strafe, weil er anderen was wünscht.

Offenbar sind die diejenigen, die die Meinungsfreiheit so hoch halten, die gleichen, die anonym andere Mitbürger bedrohen. Von wirklicher Männlichkeit zeugt das nicht.