Ans Ruder, Frauen (und Männer!)

Man kann sich fragen, was das Abstimmungsergebnis für uns alle bedeutet. Vielleicht sind wir ja wirklich so einer Art Zwang entkommen. Denn nur weil etwas in der Verfassung steht, bedeutet es ja noch lange nicht, dass es auch wirklich gelebt wird.

Gerade in der Anerkennung von Familienarbeit, Hausarbeit und Erwerbstätigkeit scheint eine grosse Diskrepanz zu liegen. Hat man ja in dieser Abstimmung gemerkt. Die Alleinerziehenden schiessen gegen die Vollzeitmamis, die Hausfrauen beklagen sich über die arroganten Kinderlosen, die Karrierefrauen missverstehen die Meinung der Familienmanagerinnen. Und wozu führt das alles?

Genau. Zu einem Abstimmungsergebnis und einem Streit unter Frauen. Das ist doch genau das, worüber sich eine gewisse Gruppe von Männern (und bestimmt auch Frauen) freut. Zwietracht ist das beste Mittel, um Leute zu manipulieren und sie auf die eigene Schiene (welche politische Farbe die auch immer trägt) zu bringen.

Ich würde mir für Quartiere und Dörfer, die keine Krippe haben, wünschen, dass Frauen und Männer Verantwortung übernehmen und sich organisieren. Das wäre dann so eine Art Genossenschaft. Die Einlage besteht aus Zeit und Räumen. Die Mütter und Väter könnten beispielsweise Nachbarn und Freunde fragen, ob sie sich beteiligen wollen. Vielleicht würden sich ja auch engagierte andere, vielleicht sogar Erwerbstätige, verpflichten.

Die ganze Aktion beruhte auf Vertrauen. Vielleicht aber bin ich zynisch, wenn ich davon ausgehe, das so etwas in diesem Land gar nicht möglich ist, da jeder nur für seinen Vorteil schaut.

Schade.

Was mich wirklich sauer macht… #familienartikel

…bei der heutigen Abstimmung über den sogenannten Familienartikel, ist die Art und Weise wie die bürgerlichen Politikerinnen sich über arbeitende Mütter äussern.

Es gibt nun einmal Frauen, die auswärts arbeiten müssen, weil es nicht anders geht. Diese Frauen machen tagtäglich einen riesigen Spagat. Sie sind Mütter, Hausfrauen, Berufsfrauen. Sie versuchen allem gerecht zu werden.

Und dann sind da diese bürgerlichen Politikerinnen, die offenbar privilegiert genug sind, nach Heiratsschliessung und Geburt nicht mehr einem zweiten Beruf, als dem der Hausfrau und Mutter, nachgehen zu müssen. Ich freue mich für sie. Denn damit entgehen sie wohl einem Stressfaktor.

Die Art und Weise jedoch, wie sie das Hüten der Kinder zuhause propagieren, lässt mich aufhorchen. Es ist arrogant und passt zum Menschenbild, das jene Bevölkerungsgruppe wie ein Banner in der Schlacht vor sich trägt.

Es lässt sich natürlich leichter über ausländische Arbeitskräfte lästern, während die Frauen zuhause versauern. Ich möchte nicht wissen, wie viel Potential hier brach liegt.

Man kann sich darüber streiten, was der Familienartikel an der aktuellen Situation verändert hätte. Ich bin überzeugt, solange kein Verständnis für andere besteht, werden auch Gesetze nichts ändern.

Und das, liebe Frauen, muss von uns her kommen. Die Männer sind offensichtlich weder fähig in die Zukunft zu schauen, noch empathisch zu sein oder kluge Entscheide zu fällen.