Weibliche Angewohnheiten. Oder eine Bauchnabelschau.

Mit sehr viel Schmunzeln las ich heute abend diesen Text, den ich via Twitter gefunden habe.
Wir erfahren in diesem Artikel, wie die Therapeutin Marcey Rizzetta fünf “Dinge” enthüllt, die jede Ehe ruinieren. Marcey erwähnt dabei aber nur die „weiblichen“ Angewohnheiten oder Unsitten.

1. Alle Versuche, den Ehemann umzumodeln
Sie beschreibt, dass fast jede Frau den Drang dazu verspürt, ihren Mann zu verändern. Dieses Verlangen, einen anderen Menschen zu verändern, ist jedoch keine weibliche Angelegenheit. Es ist, je nach Disposition in jedem Menschen vorhanden und es lohnt sich sehr, dem nachzugehen. Schlussendlich bedeutet dieser Drang nichts anderes als die Botschaft ans Gegenüber: „Du bist nicht ok.“ Spannend wäre es vielleicht für einen Menschen, der seinen geliebten Menschen verändern will, herauszufinden, was es genau ist, was ihm nicht passt. Veränderung fängt übrigens immer bei sich selber an, nicht beim anderen.

2. Kontrollsucht
Hier beschreibt Marcey Rizzetta, dass sie ihren Mann kontrolliert hat, was ihn erst recht dazu gebracht hätte, heimlich und hinter ihrem Rücken „verbotene Dinge” zu tun. Dann schreibt sie „wenn eine Frau ihrem Mann grundsätzlich nicht vertraut, wird ihre Kontrollsucht dieses Problem nicht lösen können“.
Man mag auch hier über ihre Haltung schmunzeln und denken, dass dieses Muster weiss Gott keine „weibliche“ Angelegenheit ist. Ihre „Kontrollsucht“ hängt wahrscheinlich doch sehr viel mit ihren eigenen Mustern aus Kindheitserfahrungen zusammen. Vielleicht haben sich in dieser Ehe doch die „Richtigen“ gefunden und es hätte sich vielleicht gelohnt, gemeinsam der Sache auf den Grund zu gehen. Das führt uns zu Punkt drei.

3. Die Sex-Waffe
„Geben wir es zu: Männer wollen es immer!“ Ich musste beim Lesen dieser Zeilen an David Schnarchs wunderbares Buch „Die Psychologie sexueller Leidenschaft“ denken und fragte mich, ob sich Marcey je damit befasst hat. Wenn zwei Menschen über längere Zeit zusammen sind, ist es ganz normal, dass das Verlangen nachlässt. Schnarch macht hierzu in seinen Büchern aber Mut, aufeinander zuzugehen und die Beziehung nicht einfach aufzugeben.
Und Oscar Wilde schrieb einst: „Man sollte immer verliebt sein. Aus diesem Grunde sollte man nie heiraten.“

4. sich gehen lassen
Ganz im Ernst, ich kenne keine Frau, die Job und Familie wuppt, und sich einfach „gehen“ lässt. Dazu hat sie nämlich gar keine Zeit. Die Fixierung auf gutes Aussehen rührt bei Rizzetta wohl auf ein niedriges Selbstwertgefühl, was wahrscheinlich einen Partner eher irritiert, als der nicht mehr ganz so straffe/dünne/junge Körper.

5. Streit mit seiner Familie
Die Grundfrage ist doch eher: Wenn man jemanden heiratet, gehört man dann automatisch in die andere Familie? Oder ist es nicht so, dass man sich oft einfach anpasst, ohne „das Fremde“ gut zu finden? Ich persönlich finde Streit mit der Familie des Partners eine üble Sache. Aber manchmal ist es vielleicht unausweichlich. Wie bei vielen Angelegenheiten des Lebens macht es Sinn, sich Gesprächspartner ausserhalb der intimen Beziehung zu holen, um so das soziale System nicht unnötig zu belasten. Selbstverantwortung galore!

Fazit:
Beim Lesen dieses Texts bekam ich Lust, mal wieder in David Schnarchs Büchern zu schmökern. Er schreibt so wertschätzend und lustvoll über seine verschiedenen Klienten, die er schon begleitet hat, dass es einfach nur Freude macht.

P.S. Richard David Precht findet David Schnarch nicht so toll. Ein Grund mehr für mich, RDP nicht toll zu finden…

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Vom Umgang in den sozialen Medien in Zeiten von #nobillag

Wer sich in den „Sozialen Medien“ bewegt, braucht ein dickes Fell oder aber sehr viel Glauben an das Gute im Menschen. Ich persönlich glaube an den Mute-Knopf und, im schlimmsten Fall, ans „Blockieren“.

Ich bewege mich seit 2001 im Internet und auf sozialen Plattformen. Twitter war und ist dabei meine liebste. Hier treffe ich seit Jahren täglich Freunde, Bekannte und Gleichgesinnte, nehme an ihrem Leben teil und informiere mich über das aktuelle Tagesgeschehen. Ich schätze hierbei den Kontakt zu Menschen, die ich ohne Twitter nie getroffen hätte. Wer den Mut hat, seine Filterblase zu vergrössern, wird es nicht bereuen.

Die Schweizer Twittersphäre ist überschaubar. Hier kennt fast jeder jeden.
Umso härter tobt die verbale Schlacht im Vorfeld der Abstimmung über die #nobillag-Initiative. Mit einem Mal scheint die Twitter-Schweiz in ein Ja- und in ein Nein-Lager geteilt. Dazwischen gibt es praktisch nichts und keinen.

Ich bloggte mehrere Jahre lang auf meinen Fernsehblog tvreal.ch über das SRF, oft auch ausgesprochen kritisch, und habe dabei einige sehr nette Menschen kennengelernt. Bereits damals habe ich mich immer wieder über die abgehobene Haltung gegenüber den Kunden geärgert. Dass SRF beispielsweise das Publikum für zu doof für die wunderbare Serie „Mad Men“ hielt, fand ich einfach nur arrogant und für mich total unverständlich. Damals begann ich, “meine” Serien auf anderen Kanälen zu konsumieren.

Don’t share.
Ich teilte in den letzten Monaten viele informative Links und wurde deswegen von anderen Twittern mehr oder weniger freundlich angegangen. Mitarbeitende von SRF fragten mich öffentlich und privat, konfrontierten mich mit Sätzen wie: „Schade, dass du auf einmal so verbittert bist“ oder „Aber du warst doch immer so ein grosser Fan von SRF?“ oder „Wie kannst du jetzt nur für #nobillag sein?“

Ich eigne mich schlecht zum Fangirl. Und als verbittert würde ich mich ganz bestimmt nicht bezeichnen. Getroffen haben mich solche sorglos hingeworfenen Worte trotzdem. Ich empfinde diese Art von sozialem Druck als ziemlich unhöflich.

Die Begeisterung ist längst versiegt.
Begeistert bin ich von all den Sendern der SRG SSR schon lange nicht mehr. Aber die durchaus vorhandene Sympathie für die Mitarbeitenden der SRG reicht für mich nicht als Entscheidungsgrundlage in dieser Abstimmung aus. Ich empfinde die Billag-Gebühren als viel zu hoch und möchte gerne selber entscheiden, wofür ich diese (für mich) beachtliche Summe ausgebe. Ich bekomme mit, dass es vielen Gleichaltrigen in meinem Berufsfeld ähnlich geht. Dass jeder diese Gebühren in gleicher Höhe für Angebote bezahlen muss, die sie oder er nicht gar nicht konsumiert, empfinde ich als ungerecht. Dass #nobillag-Befürworter wegen dieser Haltung gleich in die demokratiefeindliche Ecke abgeschoben werden, finde ich im höchsten Masse befremdlich.

“Solidarität” auf Kosten Armer. Well done!
Stellen Sie sich vor, sogar Demenzkranke bezahlen Billag:. Solange sie in den eigenen vier Wänden leben, selbst wenn sie nicht einmal mehr wissen, was ein TV oder ein Radiogerät ist, geschweige denn ein solches Gerät bedienen können, sind sie billagpflichtig. Als Empfänger von Ergänzungsleistungen könnten sie sich befreien lassen. Aber die Betroffenen müssen selbst aktiv werden oder aber auf einen kompetenten Beistand hoffen, der weiss, dass eine Befreiung möglich wäre. Zwischen Spitex- und Pflegekostenabrechnungen geht die Billagrechnung aber oft unter. Diese Gruppe von Menschen hat keine Lobby. Hauptsache, die Kohle fliesst. 451.- Stutz sind ja nicht die Welt.

Don’t discuss!
Meine Sichtweise brachte ich in einer Diskussion mit SRF Eco-Moderator Reto Lipp ein, der mir dann auch rasch vorwarf, ich würde Demenzkranke für die Abstimmung instrumentalisieren. Die darauf folgende Diskussion zeigte mir rasch auf, dass sachliches Diskutieren nicht immer die Sache der Initiativ-Gegner ist. Also liess ich es bleiben.

Beschimpfungen von allen Seiten
Der Ton im Netz hat sich in den letzten Monaten vor der Abstimmung verschärft. Initiativ-Befürworter werden regelmässig von den Gegnern als Staatsfeinde, Populisten, rechte Hohlbirnen und libertäre Hetzer beschimpft. Umgekehrt unterstellen viele den Gegnern kommunistische oder gar stalinistische Tendenzen oder einfach nur eine ungesunde Staatshörigkeit. Aber mein Eindruck ist, dass die Befürworter der Initiative häufiger und stärker unter der Gürtellinie angegangen werden. Man zeigt sich in den sozialen Medien #nobillag gegenüber nur schon aufgeschlossen und hält die Initiative für bedenkenswert? Dann ist man Sektierer, krank, vaterlandsloser Gesell, brandgefährliche Zecke oder libertärer Fanatiker und darf dementsprechend angepöbelt werden.

Wer sind die Hater?
Der durchschnittliche Hater scheint über vierzig und männlich zu sein. Ich vermute „frustriert“ ist ebenfalls ein weiteres Attribut dieser Spezies. Beim Lesen verschiedenster Online-Kommentare taucht bei mir der Verdacht auf, dass diese Männer mittleren Alters aus allen politischen Lagern stammen. Hass auf andere und ein tiefes Selbstwertgefühl scheinen kein Parteibuch zu haben.
All diesen Männer gemein ist die Wut, wenn nicht gar ein Hass auf Frauen. Sie lassen ihren aufgestauten Frust in Kommentarspalten, in Threads, via private Nachrichten oder aber in anonymen Schreiben vorwiegend an weiblichen Usern aus.

Bei der #nobillag-Abstimmung ist das nicht anders. Wer sich öffentlich, und das sind Twitter und Facebook nun mal, zu Wort meldet, muss damit rechnen und leben, dass er beschimpft, angegriffen, beleidigt und verbal verletzt wird. Auch ich wurde per PN mehr oder weniger freundlich gebeten, endlich zu #nobillag zu schweigen. Ich wurde und werde beschimpft und angegriffen. Ist das der Preis der Meinungsfreiheit in der Schweiz?

War früher alles besser?
Kaum. Es ist ja nicht erst seit wenigen Jahren so, dass Abstimmungen unser Land geteilt haben. Ich nehme an, dass dieser Hass bereits bei den Frauenwahlrecht-Abstimmungen zu spüren war. Schon damals werden sich gerade Männer wüste Schlötterlig an den Kopf geschmissen haben. Aber wissen Sie was? Jemanden am Stammtisch direkt „Schofseckel“ zu nennen hat dann doch eine andere Qualität, als anonym wildfremden Leuten zu schreiben: „Halt die Fresse!“ Eine konstruktive Diskussion ist mit solchen Menschen nicht möglich. Haters gonna hate.

Von bigotten Klugscheissern

Ehrlich gesagt sind mir Menschen, die offen dazu stehen, dass sie keine behinderten Menschen mögen, lieber als die anderen.

„Die anderen?“ fragst du vielleicht.
Ja, genau die. Ich habe Mühe mit Menschen, die vordergründig so tun, als würden sie am liebsten jeden Rollstuhlfahrer oder Mensch mit Trisomie 21 sofort adoptieren. Das sind die Menschen, die sich dann aber aufregen, wenn Behinderte in der Brienzer Rothornbahn vor ihnen einsteigen dürfen.

Menschen, die auf dem Badiparkplatz ihren bekackten SUV so hinter einen Behindertenbus platzieren, dass die BetreuerInnen nicht mal mehr die Rampe ausklappen können.

Das sind jene Menschen, die vor Rührung fast in die Hose machen, wenn sie einen Menschen mit schwerer kognitiver Behinderung sehen, ihm grossherzig ein Käffeli im Café bezahlen, sich total geil dabei fühlen und fünf Minuten später über faule IV-Rentner schimpfen.

Das sind jene Menschen, die andere Menschen als “Autisten” betiteln, weil das Wort grad in aller Munde ist und sie deshalb als total wortgewandt rüberkommen.

Und es sind jene Menschen, bei denen jeder zweite Satz mit “Ich bin ja total für Inklusion, aber…” anfängt, die aber nicht mal wissen, wie man dieses Wort richtig schreibt, geschweige denn lebt.

Das sind Menschen, die Pflegende bemitleiden, dass man/frau mit behinderten Menschen arbeiten „muss. Der Satz „ich könnte das nie“ liegt den meisten auf der Zunge. Damit ist aber nicht etwa Respekt gemeint, sondern Abscheu.

Ich weiss nicht, wie man diese Art von Menschen nennen soll. Sie sind verlogen, bigott, anstrengend und unsensibel. Der ausgelutschte Begriff “Arschloch” triffts wohl am besten. Aber wir wollen hier ja nicht gruusig reden.

Wirklich mühsam und anstrengend ist das Auskommen mit diesen Menschen, die keine Ahnung haben, sich aber als Kapazitäten im Umgang mit Menschen mit einer Behinderung fühlen, weil sie mal eine Reality-TV-Sendung bis zum bitteren Ende geschaut haben oder aber „Rainman“ in der Sammler-Edition besitzen.

Das sind Menschen, die keine Haltung, aber zu allem eine Meinung haben und die Behinderte nicht als gleichwertige Menschen anschauen.

Und? Zu welchen zählst du dich?

Die einzig wahre Mutter

Manchmal frage ich mich schon, was in gewisse „Journalisten“ gefahren ist, dass sie solche Fragen stellen wie Michèle Binswanger sie in ihrem Text über Steffi Buchli beschreibt. Kriegt man im Journalistik-Studium „abschätziges Fragen“ geprüft? Gibts da extra Lehrmittel dafür, wie man(n) einer Frau Scheiss-Fragen stellt?

Ich weiss natürlich schon, dass der Blick für gewisse Menschen in diesem Land eine Art helveto-feministisches Kampfblatt mit bunten Bildern darstellt. Schwangerschaftspfunde sind ja schliesslich auch ein Thema, das Gross und Klein interessiert, gleich neben Bauchstraffungen und Vaginalkorrekturen. Ich frage mich, warum Blick-Journalisten frisch gebackene Vater nie ähnlich geistreich Dinge wie diese hier fragen: „Sagen Sie, tut Ihnen der Penis immer noch weh von der Fickerei mit Ihrer Frau?“ oder „Haben Sie sich bei der Geburt übergeben? Sie sind doch sonst so sensibel?“ Nee, sowas würde man(n) aus lauter Anstand ne fragen.

Ein weiteres Mysterium in der heutigen Zeit sind die Kommentarspalten gewisser Zeitungen. Man könnte meinen, die Autorinnen jener hasserfüllten Statements gegen Steffi Buchli seien Anwärterinnen für die Verleihung des Mutterordens.

Was treibt Frauen (Mütter!) dazu, über einen fremden Menschen so zu urteilen? Steckt da die unterschwellige Angst dahinter, selber eine schlechte Mutter zu sein, weil frau die eigenen Bedürfnisse eventuell doch ernst nimmt? Hat jemals ein Kerl zu seiner Frau nach so einem Kommentar gesagt: „Wow, Cindy, du bist die beste Mutter von allen und du kannst auch noch lesen und schreiben! Ich mach dir gleich noch ein Kind!“
Wohl eher nicht.

Also, Schwestern: warum macht ihr das?

Mutter auf Zeit

Natürlich wurde ich oftmals in jüngeren Jahren gefragt, warum ich keine Kinder will. Die Antworten meinerseits waren ganz klar: ich will nicht. Punkt.
Spätestens als meine Mutter im Sterben lag und nebenbei, so ganz nebenbei, bemerkte: „Enkel wären jetzt schon noch toll“ konnte ich der Frage emotional nicht mehr ausweichen.

Wenn ich in meiner Familie herumschaue, so habe ich nie Vollblut-Mütter erlebt. Meine Mutter lebte ihr Muttersein nicht gluckenhaft aus. An ihrem Beispiel, sie verlor meinen Bruder und noch weitere Kinder, lernte ich früh, dass Muttersein im Real Life etwas anders läuft als in der Frühstücksflocken-Werbung.

Meine Mutter weinte sehr oft. Es hat mir fast das Herz zerbrochen. Ich erinnere mich an eine Szene, wo sie in jenem dunkelgrün gekachelten Bad auf dem Klo sass und gottsjämmerlich weinte. Ich war noch sehr klein. Kurz zuvor war mein Bruder verstorben. Sie wollte nicht vor mir weinen, sondern zog sich zurück. Ich reichte ihr einen Bodenlappen und sagte: „Mami, du rägnisch.“

Ich habe mich gegen Kinder entschieden und dies auch jedem Mann, mit dem ich bisher zusammen war, ganz offen gesagt. Für mich waren und sind menschliche Beziehungen essentiell. Ich mag es, befreundet zu sein, Menschen zu umsorgen, zu kochen oder zu chatten. Aber irgendwas in mir mag sich nicht vollends in eine Beziehung zu einem anderen Menschen hingeben. So empfinde ich Mutterschaft nämlich. Die Monate der Schwangerschaft, die Geburt, das Miterleben von Grösser- und Erwachsenwerden eines Kindes, mag ich nicht auf mich nehmen. Nennen Sie mich ruhig feige.

Stattdessen nahm etwas anderes als Mutterschaft in meinem Leben Platz.
Ich arbeite in der Betreuung von Menschen mit einer Behinderung. Das bedeutet, dass ich während einer gewissen Phase ihres Lebens Menschen begleite. Diese Arbeit füllt mich aus. Ich fühle mich hier aber nicht als „Mutter“. Es ist viel eher eine ganzheitliche Aufgabe, weil ich auch mit der Familie eines betreuten Menschen arbeite und spreche.

Als die Demenzerkrankung meiner Oma fortschritt, sprach sie mich oft als ihre Mutter Berta an. Berta war eine rundliche Frau mit lieben Gesicht, wahrscheinlich langen weissen Haaren, die sie zu einem Dutt zusammen band. Ich besitze tatsächlich Bertas weiche Gesichtszüge.

Beziehungen, die absehbar sind, mag ich. Irgendwie. Die Beziehung zwischen Omi und mir ist so gestaltet. Wir wussten immer, dass sie irgendwann vor mir geht. Aber tut der Intensität und der Qualität unserer Beziehung nie einen Abbruch. Ich habe keinen Anspruch auf einen anderen Menschen.

Bis heute habe ich es nie bereut, dass ich keine Kinder habe. Aber ich habe auch kein Problem, mich als „kinderlose Frau“ zu bezeichnen, weil ich weiss, dass meine Beziehungen zu anderen Menschen wertvoll und nicht untereinander zu vergleichen sind.

Darum teste, wer sich vermehren mag

Liebe Mit-Frauen!

Wer unbedingt Kinder haben will, sollte, falls möglich, seinen Partner im Vorfeld testen, ob er wirklich den gewünschten Anforderungen genügt. Dies lässt sich leicht überprüfen.

1. Mag der zukünftige Vater deiner Kinder überhaupt Kinder? Falls du kein Kind zur Hand hast, kannst du zur Not auch den Kontakt zu deinem geliebten Haustier untersuchen. Wenn er mit dem Lebewesen nett umgeht, kann er auch kein schlechter Mensch sein.

2. Check seine Familie: Wie ist er aufgewachsen? Wie wurde er von seiner Familie behandelt? Und: wichtig für dich: wie geht er mit Frauen um?

3. Wie denkt er überhaupt über die Zukunft? Wenn er Dinge sagt wie: „Ich will mit dir einfach das Leben geniessen“ ist er ziemlich sicher nett und super, aber (noch) kein Vater-Typ. Vielleicht solltest du dann wirklich einfach „nur“ das Leben geniessen mit ihm.

4. Hilft er im Haushalt mit? Oder lässt er alles dich machen? Falls du die treibende Kraft bist, kannst du darauf vertrauen, dass er auch während (d)einer Schwangerschaft weiterhin das süsse Nichtstun pflegt und zusieht, wie du dich abmühst.

5. Arbeitet er gerne? Oder ist er ein fauler Sack? Oder noch schlimmer: ein Workoholic?? In diesem Fall kann ich dir nur raten, dass du dich sofort vom Acker machst.

6. Wenn er sein Einkommen versäuft, verhurt oder verspielt, solltest du die Finger von ihm lassen. Bad Boys sind wirklich nur dann cool, wenn sie von Alan Rickman gespielt werden. Und der ist tot.

7. Ist er verspielt? Liebt er Gesellschaftsspiele, Games, Mannschaftssport? Falls ja, ist das eine gute Vorausssetzung für Vaterschaft. Halt ihn dir warm. Und trag dir sofort den 14. März in deine Agenda ein.

8. Begleitet er dich an deine Familienanlässe und interessiert sich für deine Oma/deine Tanten usw. Und: kann er über deine Familie herzlich lachen?

9. Macht er schlechte Witze über lottrige Bäuche und hängende Brüste? Dann ist er wohl nicht für die Rolle “Vater” und erst recht nicht als “Mann” geeignet.

10. Setz dich damit auseinander, dass eure Leben sich irgendwann trennen. That’s life.

11. Magst du diesen Mann? Erträgst du den Typen überhaupt für die nächsten, sagen wir, zwanzig Jahre? Oder gehen dir seine Witze jetzt schon auf die Nerven?

 

 

 

Liebe Mit-Männer

ersetzt obenstehenden Text einfach mit Frau bzw. den betreffenden Geschlechtsorganen und fertig ist die Chose.

Und Bier. Das hilft immer.

Best wishes,
zora

Sei (k)eine Mutter!

Manchmal frage ich mich, warum das so ist, dass ganz normale Menschen, sobald es um Elternschaft und Kinder geht, zu unhöflichen Idioten werden. Es ist nämlich so, dass Menschen, die kürzlich zu Eltern wurden, sich manchmal vom Schicksal dazu berufen fühlen, kinderlosen Menschen, besonders Frauen, die Sinnlosigkeit ihres traurigen Daseins aufzuzeigen. Nun, liebe Eltern, ich möchte euch, gerade nach dem Genuss des NZZ-Artikels folgendes mitteilen:

„Keine Kinder zu haben, ist unsozial! Wer bezahlt denn mal deine Rente? Meine Kinder??“

Es ist nicht so, dass mein (kinderloses) Leben sinnlos ist. Bevor ihr beide euch entschieden habt, ein Kind zu zeugen, habe ich zwei Angehörige gepflegt. Das ist zwar nicht wie Kinder kriegen, eher das Gegenteil, aber ebenfalls ein sozialer Akt, von den entstandenen Kosten, die ich trug anstatt der Gesellschaft, gar nicht zu sprechen.

„Ohne Kind ist eine Frau doch gar keine richtige Frau!“

Ich fühle mich sehr wohl als kinderlose Frau, denn ich besitze den Körper einer Frau. Ich habe Brüste, eine Vagina und Eierstöcke. Zwar ist mein Körper nicht von einer Geburt gedehnt und ich habe auch nie einen Dammbruch erlitten, aber damit kann ich gezwungenermassen leben. Ich trage Röcke, zahle eine höhere Krankenkasseprämie als ein Mann, menstruiere regelmässig und mag Filme mit Meg Ryan.

„Du weisst nicht, was du verpasst.“

Ich fühle mich Freundinnen, deren Kindern, Freunden und deren Familien verpflichtet. Ich bin oftmals froh, dass ich mich um meine Angelegenheiten kümmern kann und nicht noch ein Kind zu erziehen habe.

„Wenn man ein eigenes Kind hat, liebt man es einfach.“

Wer sagt, dass man sein eigenes Kind einfach so liebt, lügt. Es ist eine Illusion, dass dies immer so ist. Wer beispielsweise Gewalt und/ oder Missbrauch erlebt hat, wird sich eventuell genau deswegen gegen Kinder entscheiden, weil er eigene Erlebnisse nicht nochmals erleben will und einem Kind das eigene Vorleben nicht zumuten will. Ich persönlich habe mich für eine Katze entschieden, die ich liebe und die ich bis zu ihrem Tod verknuddeln werde. Das ist keine schlechte Wahl.

„Dingdong, deine biologische Uhr tickt!!“

Den Spruch habe ich Weihnachten 2008 gehört. Ich hatte kurze Zeit zuvor eine Unterleibs-OP und litt noch immer unter Schmerzen. Ich hatte mich frisch getrennt. Der dumme Satz schmerzte mich. Denn anstatt die Augen zu schliessen und still und schamvoll in mich hinein zu weinen, hätte ich den Urheber dieses Satzes am liebsten an den Hoden gepackt und angeschrien: „Hier tickt nichts mehr, du unsensibles, dummes Arschloch!“

Beste Grüsse
zora