Danke Mami.

Ich wurde in den 80ern in einem kleinen thurgauischen Dörfchen gross.  Meine Mutter hatte eben erst meine Schwester geboren und kurz davor meinen kleinen Bruder verloren. Unser Leben war seltsam ernsthaft. Ich war von Anfang an ein grosses Kind. Ich nehme an, das habe ich von meinem Vater, der ebenfalls gross gewachsen ist, habe. Ich war dünn. Sehr dünn. Ich kann mich dunkel erinnern, dass ich mit 7 zum ersten Mal gehört habe, dass jemand mich magersüchtig genannt hat. Magersüchtig. Seltsames Wort.

Ich bewundere meine Mutter noch heute, wie sie damit umgegangen ist. Sie hat sich nämlich nicht beirren lassen. 1985 gab es keine Ärzte und Psychologen in den Schulen, die Eltern mitgeteilt hätten, was falsch lief. Das Thema „Geschwistertod“ war grad überhaupt keines.

Ich bin meinen Eltern dankbar, dass sie keinen allzu grossen Druck aufgesetzt haben. Dass ich als Kind kein Fleisch mehr ass, weil ich fasrige Fleischfetzen nicht zerbeissen, geschweige denn herunterschlucken konnte, ohne zu würgen, haben sie zwar nur schwer verstanden. Sie haben mich nie gezwungen zuzunehmen. Die Ernährung war nie grossartiges Hauptthema in unserer Familie. Natürlich hat meine Mutter wiederholt auf die Vorzüge gesunden Essens (Gemüse!!) aufmerksam gemacht. Ihre Loblieder auf Broccoli, Blumenkohl und Tomaten hallen bis heute nach.

Ich kam in die Pubertät und nahm (endlich) zu. Aber auch das war nie ein Thema für sie, mich zurecht zuweisen oder gar zu demütigen. Meine Mutter, selber eine gut gebaute Frau, nicht dick, aber mit Polster an den „richtigen Stellen“, wie sie es immer nannte, meinte lakonisch: jetzt wirst du eine Frau.

Sie hatte recht. Manchmal staune ich darüber, wie andere Mütter mit ihren Kindern umgehen. Das Gemäkel über Körperfett und Kalorien empfinde ich als mühsam und lebensfeindlich. Vielleicht liegt es daran, dass ich aus zwei Familien entstamme, deren Mitglieder im zweiten Weltkrieg fast verhungert wären? Keiner stört sich am Körper eines anderen. Im Gegenteil. Als Angehörige habe ich zwei Menschen an den Krebs verloren. Deren langsames Abmagern und Verhungern mag wie ein Warnlicht gewesen sein für mich:

Geniesse dein Leben. Lebe und liebe jetzt. Morgen bist du tot.

Pick-up-Artists oder die ewigen Hosenscheisser

Immer wieder ein Rätsel von neuem ist die Tatsache, dass Männer und Frauen sich ineinander verlieben. Offenbar ist das nicht so einfach, was gewisse Störungen Strömungen wie Pick-up-Artists beweisen.

Männer, die Frauen anmachen, nur um zu schauen, wie weit sie gehen können, gab es wohl schon immer. Früher hiess diese Sorte Mann „trauriges Arschloch“. Heute nennen sich diese hochgestochen Pick-up-Artists.

Das sind also Männer, die sich einen Sport draus machen, eine Frau zu brechen, zu verletzen und letztlich so zu biegen, dass sie sich selber verleugnet und klein macht. Man möchte meinen, eine Frau fällt auf so was nicht herein. Weit gefehlt. Die Methoden dieser Männer sind derart gemein, dass man es fast nicht glauben mag.

Einfache Gemüter mögen eine Brücke zu BDSM schlagen, was zeigt, dass sie weder das eine noch das andere verstanden haben. Während es bei BDSM um Partnerschaft und Lust geht, suhlen sich die Pick-up-Artists in den Wunden ihrer Kindheit und all den (verdienten?) Absagen, die sie von Frauen bekommen haben. Pick-up-Artisting ist in gröbster Art und Weise frauenfeindlich.

Natürlich habe ich mich gefragt, welchen Anteil wir Frauen an dieser Bewegung haben. Was muss in einem Mann passiert sein, dass er Frauen derart negativ bewertet? Liegt es an seiner Erziehung? Wurde er in seiner Männlichkeit so schwer getroffen, dass es ihm nur noch Vergnügen bereitet, wenn er eine Frau verletzen und demütigen kann?

Besonders toll finde ich ja, dass sich die sogenannten Pick-up-Artists herausreden, indem sie drauf pochen, die Frauen in ihrer Weiblichkeit zu verehren und ihnen den Platz zu geben, den sie verdienen.

Ich meine, was soll diese gequirlte Scheisse? Männer, entweder ihr behandelt eine Frau anständig oder ihr habt sie nicht verdient. Benehmt euch endlich wie Erwachsene, ihr Hosenscheisser.
Übernehmt die Verantwortung für euer Leben. Nicht mehr und nicht weniger.

Mauzi faucht

Es windete schon den ganzen Tag. «Juni-Sturm», seufzte Mami. Sie hatte Kopfweh. Anna rannte nach draussen und spielte auf dem Rasen vor dem Haus. Ihr Haus war bestimmt früher ein Schloss gewesen, dachte Anna. Der Rasen ging bis an den Wald, der den Bach säumte. Dort hinunter führte eine alte Holzstiege, auf der sie gerne von Tritt zu Tritt hüpfte. Am liebsten sass sie unter der Trauerweide. Diesen Baum mochte sie sehr, weil der Stamm so rau war und die Rinde die Struktur von Augen hatte. Die Blätter der Weide sahen aus wie Sardinen. Weil die Äste lang und biegsam waren, konnte man wunderbar wie Tarzan daran hin und her schwingen.
Mauzi, ihre liebste Freundin, war ein Katzenweibchen. Sie war weiss-blau gefleckt und hatte eine grosse rosa Nase. Ihre Augen waren gelb wie die eines Panthers. Zusammen fingen sie Schnaken, wachten an Mauslöchern, lagen auf der Wiese herum und blickten in den Himmel, den Vögeln nach.

Mauzi sass neben Anna am Fusse der Weide und blickte sie aufmerksam an. Anna hatte Mauzis hellblaues Futtergeschirr neben sich stehen und fütterte die Katze immer wieder mit Leckerli. Mauzi liess sich das gefallen und schnurrte. Immer wieder drückte sie ihr Köpfchen an Annas Beine. Anna mochte es, wenn die Äste der Weide sich drehten und wandten wie die Arme einer Tänzerin. Sie stand auf und streckte die Zunge raus, um die Kühle des Windes zu spüren.
Der Wind brachte einen verbrannten Geschmack mit sich. Es roch nach Regen und Hochwasser. Bisher hatte Anna es erst einmal erlebt, dass der kleine Bach neben ihrem Haus über seine Ufer getreten war. Er hatte Baumhütte, Sandhaufen und ein Huhn mitgerissen.

Doch dann, mit einem Mal, fauchte Mauzi. Sie blickte das Mädchen mit grossen gelben Augen an und riss das Maul auf. Anna, starr vor Schreck und Überraschung, konnte sich nicht bewegen. Mauzi schlug mit erhobener Pfote und ausgefahrenen Krallen nach ihr. Anna lief weinend weg, rein ins Haus zu Mami.
Drinnen klagte sie, was Mauzi ihr zuleide getan hatte. Mami umarmte Anna und tröstete sie.
«Du hast Mauzi doch nicht etwa geplagt?»
Anna schüttelte den Kopf.
«Mauzi ist vielleicht wegen eines Geräuschs erschrocken.»
Anna weinte noch mehr.
Mami meinte: «Mauzi ist eben eine Katze. Und weil sie dir weh getan hat, kriegt sie heute abend kein Fleisch, sondern nur Trockenfutter.»

In diesem Moment knirschte und toste es draussen vor dem Fenster. Ein Brausen ging durch die Luft. Mit einem lauten Knall brach ein Ast der alten Weide ab und stürzte genau dort zu Boden, wo Anna und Mauzi noch vor wenigen Minuten zusammen gespielt hatten.
Mami wurde bleich. Annas Weinen erhob sich zum Schrei: «Mauzi!!!»
Nach ein paar Minuten wagten sich Mutter und Tochter vor das Haus und erblickten die Zerstörung. In dem Moment huschte Mauzi an ihnen um die Ecke. Anna rannte zu ihr hin und nahm sie auf den Arm. Mauzi blickte Anna mit grossen Augen an. Sie berührte Anna, Nase an Nase, und schnurrte. Jetzt weinte Mami. Sie nahm Anna die Katze ab und wiegte sie in ihren Armen. «Danke», seufzte sie. «Jetzt kriegst du was feines zu fressen.»

Dieser Text erschien 2011 zum ersten Mal auf der Bettmümpfeli-Seite der Schweizer Familie.

Sei keine Feministin

Sich dazu zu bekennen, dass man Feministin ist, braucht Mut. Die Reaktionen sind einem gewiss.
Nirgends mehr kommt man nämlich der latenten Frauenfeindlichkeit auf die Spur, als wenn man hin steht und sagt: ich bin eine Feministin.

Die Männerhasserin
Natürlich ist eine der ersten Reaktionen, gerade von Männern: „Dann hasst du also Männer?“
Wer nicht sofort darauf antwortet, kriegt zu hören „oder bist du lesbisch?“
Die Vorstellung, dass eine Frau sich für die Rechte von Frauen einsetzt, löst Beissreflexe aus, besonders bei bedrohten Männern, aber auch bei nicht wenigen Frauen. Sich als Frau selbstbewusst zu zeigen und seine Meinung zu sagen, scheint besonders für unsichere Exemplare der männlichen Gattung beinahe eine Androhung von Körperverletzung zu sein.

Die heiligen Kühe
Weitere Feinde holt frau sich, wenn sie es wagt, andere Frauen zu kritisieren, besonders Mütter. Feminismus bedeutet nämlich nicht, ohne wenn und aber honigkuchenpferdgrinsend mit dem Kopf zu nicken, nur weil plötzlich Frauen in der Regierung sind.
Kritik muss erlaubt sein.
Ebenso unbeliebt macht man sich, wenn man es wagt, das Verhalten von Eltern in der Öffentlichkeit zu kritisieren. Elternschaft scheint in unserer Gesellschaft die neue heilige Kuh zu sein. Schliesslich muss man um jeden froh sein, der sich fortpflanzt. Es leben ja auch nur acht Milliarden Menschen auf diesem Planeten.

Schlag in die Eierstöcke
Als bekennende Feministin muss man sich schnell damit auseinandersetzen, dass man angreifbar wird. Die Figur, besonders die sekundären Geschlechtsteile, die Frisur, der Kleiderstil, alles wird mit einem Mal zur Zielscheibe der Kritik.
Aussagen wie: „Du bist doch nur Feministin, weil dich keiner ficken will“, bleiben keine Ausnahme und zeigen deutlich, welches Frauenbild einige Bevölkerungsgruppen wie eine tote Fahne vor sich her tragen.

Still sein und lächeln. Keine Essenz.
Zuletzt kommen all jene Erwartungen zum tragen, die die Gesellschaft von Frauen so hat: Frauen haben sich ruhig zu verhalten. Unauffällig. Schweigen ist Gold.
Damit kann man als Feministin nicht dienen. Zumindest ich nicht. Das Ansprechen von Missständen und Denkfehlern verlangt, dass eine Frau sich klar äussert. Auch wenn das andere Menschen stört oder gar zum Mitdenken zwingt.

Die Buchenfrau

Es war einmal ein kleines Dorf. Dieses lag am Rand eines riesigen Waldes. Die Menschen dort waren nicht sehr reich, aber sie hatten immer genug zu essen. Eines Tages aber konnten sie nicht mehr jagen gehen, denn kein einziges Reh war mehr da. Auch gab es keine Wildschweine mehr. Auf den Feldern der Menschen wuchs kein einziges Korn mehr. Doch das Schlimmste war; die Frauen konnten keine Kinder mehr kriegen. Da wurden die Menschen sehr wütend. Da sie sich nicht erklären konnten, woran das lag, erinnerten sie sich, dass im Wald die Buchenfrau lebte. In ihrer Not gaben sie ihr die Schuld.

Die Bauern überlegten sich lange, wie sie das Zauberwesen aus dem Wald holen konnten. Aber weil sie so Angst hatten, fiel ihnen nichts Gescheites ein.
Im Dorf aber hatte ein Zirkus halt gemacht und sie fragten den stärksten Mann, ob nicht er die Buchenfrau an den Haaren aus dem Wald schleifen konnte. Der starke Mann sagte natürlich ja. Denn schliesslich war er stärker als alle Leute im Dorf und erst recht alle Frauen zusammen. Er stapfte in den Wald und rief nach ihr.

Die Bauern warteten zitternd vor dem Wald. Doch der starke Mann kam nicht mehr heraus. Erst nach einer Woche rannte er weinend und ganz schwach aus dem Wald. Die Bauern jagten ihn wütend davon.

Nach ein paar Tagen versuchte ein Jäger sein Glück. Er war fest überzeugt, dass er mit seinem Gewehr der Buchenfrau den Garaus bereiten könnte. Doch auch er hatte kein Glück.

Im Dorf wohnte ein junger Anwalt namens Michael. Als er sah, wie es seinen Nachbarn immer schlechter ging, fasste er sich ein Herz und machte sich auf den Weg, um mit der Buchenfrau zu sprechen.
Michael machte sich am selben Tag auf, um sich durch den Buchenwald zu kämpfen. Er wanderte einen Tag und eine Nacht, ohne an den Rand des Waldes zu kommen. Verzweifelt setzte er sich irgendwann auf den Boden, denn er hatte Hunger und Durst.
Da er hörte er hinter sich die feine Stimme einer Frau. Er drehte sich um und staunte nicht schlecht. Sie besass langes rostbraunes Haar und auf ihrem ganzen Körper klebten Buchenblätter.

„Wer bist du?“ fragte sie.
„Ich bin Michael. Und wie ist dein Name?“
Sie lächelte sanft.
„Ich bin die Buchenfrau.“

In jenem Moment verliebte er sich in die Buchenfrau, denn sie war wunderschön. Er setzte sich neben sie und sie redeten miteinander viele Stunden lang. Sie schenkte ihm Wasser ein und gab ihm etwas zu essen. Er vergass die Zeit.

Er nahm sich schliesslich all seinen Mut zusammen und fragte sie, ob sie ihn heiraten würde. Die Buchenfrau blickte ihn an und nickte.

Als er mit der Buchenfrau ins Dorf zurück kehrte, war die Verwunderung gross. Die Menschen hatten die Buchenfrau noch nie aus der Nähe gesehen und waren erstaunt über ihre Schönheit und ihre Lebenskraft. Alles, was sie im Vorbeigehen berührte, begann zu blühen. Das Land erholte sich wieder. Die Frauen wurden wieder schwanger. Die Felder trugen wieder Früchte.

Er nahm die Buchenfrau an der Hand und führte sie in sein Haus, um sie seiner Mutter vorzustellen. Diese rümpfte die Nase, als sie die Blätter bemerkte, die immerzu von der Buchenfrau abfielen. Als die Mutter aber bemerkte, wie glücklich ihr Sohn aussah, wenn er die seltsame Frau mit dem rostroten Haar anschaute, hiess sie sie willkommen.

Ein paar Tage später gaben sich Michael und die Buchenfrau das Ja-Wort. Die Kirche war voller Dorfbewohner, die sich nicht an der Schönheit der Buchenfrau satt sehen konnten.

Von jenem Tag an hatte Michael jede Menge Arbeit, denn die Dorfbewohner kamen nun bei jedem Problem zu ihm. Der eine beschwerte sich über zu nahe gesetzte Bäume am Acker, der zweite wollte einen Rat in Sachen Wassergraben. Der dritte regte sich darüber auf, dass ihm sein Nachbar eine kranke Kuh verkauft hatte. Michael vermittelte und gab Ratschläge. Die Dorfbewohner belohnten ihn mit Geld und Lebensmitteln. Er wurde jeden Tag reicher.

Doch mit seinem Reichtum wuchs auch das Gift der Streitigkeiten in ihm heran. Freute er sich anfangs noch, wenn er seine Frau in der Küche sah, regte er sich plötzlich über ihr fallendes Laub und Krabbeltiere auf. Wenn sie für ihn Bucheckern kochte, schmeckte es ihm nicht mehr. Die Buchenfrau bereitete Blätter und Äste zu wunderbaren Festmählern zu. Doch Michael hatte keine Freude mehr daran.

Eines Tages kam er nach Hause und fand seine Frau inmitten eines grossen Laubhaufens. Die Blätter waren von ihr abgefallen und sie sah sehr krank aus. Er bemerkte eine harzige Narbe an ihrem Körper.
Sie hatte sich das Herz für ihn herausgeschnitten, um es für ihn zu kochen. Er schämte sich.

Er nahm seine Frau auf die Arme und ging zurück in den grossen Buchenwald. Er legte sie vor ihren Baum und sah zu, wie sie wieder ein Teil des Waldes wurde. Er blieb viele Stunden vor dem Baum sitzen und weinte. Die Dorfbewohner kamen zu ihm und versuchten, ihn umzustimmen, damit er wieder ins Dorf zurückkäme. Doch Michael blieb vor dem Baum sitzen. Unverrichteter Dinge kehrten die Menschen wieder zurück ins Dorf.

Als sie am nächsten Tag wieder zur Buche gingen, war Michael verschwunden. Ein kleines Kind entdeckte jedoch einen goldenen Ring, der fest mit dem Baum verwachsen war. Die Buche hatte ihn so sehr umarmt, dass er eins mit ihr und der Buchenfrau wurde.

Die Menschen kehrten traurig und ehrfürchtig zurück in ihr Dorf. Michael vergassen sie nie. Es wird berichtet, dass die Menschen sich von jenem Tage an immer rücksichtsvoll gegenüber der Natur verhielten.

Achtung, üben Sie Rücksicht. Ich bin Elternteil!

Früher habe ich mich immer sehr gefreut, wenn Freundinnen und Freunde Eltern wurden. Die Geburt eines Kindes ändert doch alles. Kein Stein bleibt auf dem anderen. Alles wird gut!

Heute sehe ich das etwas nüchterner.
Ich bin, zumindest, erleichtert, wenn meine Freunde nach der Geburt des neuen Erdenbürgers noch einigermassen Benimmregeln und alle Tassen im Schrank haben.

Oh, wie unsensibel! Wie elternfeindlich!
werden Sie jetzt vielleicht dem Erzeuger ihres zu stillenden Familienmitglieds zurufen.
Sie haben Recht. Auf den ersten Blick mag das so wirken.
Aber: hier schreibt Ihnen eine von Co-Elternschaft und unerträglicher Rücksichtnahme traumatisierte Frau.

Menschen, die Eltern werden, verändern sich total.
Der eben noch coole Hipster, mit dem frau nächtelang diskutieren und Absinthe trinken konnte, wird plötzlich zum asketischen Vegi-Tarzan. Ehemalige Genussraucher schauen einen nur schon böse an, wenn man ein Teelicht mit dem eigenen Feuerzeug anmacht. Freundinnen, mit den man über andere zickige Freundinnen so herrlich lästern konnte, finden einen plötzlich total menschenfeindlich und überhaupt unmöglich und schädlich für die innere Balance.

Sie denken, ich übertreibe?
Heute morgen fuhr auf dem Bahnhof ein übereifriger Vater eine offensichtlich blinde Schülerin an, weil sie mit ihrem weissen Stock an seinen High-Tech-Kack-Kinderwagen geriet. Er schrie sie an, ob sie nicht schauen könnte. Sie schüttelte schockiert den Kopf. Aber der Mann, wohl im Terminator-Brut-Schutz-Modus, bemerkte es nicht mal.

In meinem bevorzugten Grossverteiler rannten letzthin drei Kinder barfuss in der Modeabteilung herum. Sie machten sich einen grossen Spass, tobend an den Umkleidekabinen vorbei zu rennen und an den Vorhängen zu schütteln. Dass sich einige ältere Damen, die gerade Blusen in Übergrössen anprobierten, gestört fühlten, kümmerte die lässigen Eltern gar nicht.
„Stellen Sie sich nicht so an. Ein Kind braucht Entwicklungsspielraum. Sie waren doch auch mal jung.“

Jaaa! Das ist es wieder. Die unschlagbare Totschlagphrase. Lernen die junge Eltern eigentlich in der Gebärabteilung? Diese Eltern denken, nur weil sie Kinder auf diesen Planeten gesetzt haben, seien sie ein Geschenk der Natur und die zukünftige Lösung für alle Probleme. Wenn sie denn ihrer Brut wenigstens beibrächten, gerade in die WC-Schüssel zu kacken, würde ich ja nichts sagen. Aber nein. Moderne Eltern stellen sich zum Teil derart sackblöd und unhöflich gegenüber dem Umfeld an, dass ich mich ihrer schäme.

Manchen Menschen wünschte ich, sie wären mit implantierten Pessaren bzw. festangetackerten Kondomen, zumindest aber mit intakten Höflichkeitsformen zur Welt gekommen.

Ein Liebhaber ist ein Liebhaber ist ein Liebhaber

Ein Text mit freundlicher Unterstützung von Sascha Nggalai Erni

Achtung: Ironie-Warnung

Manchmal wundere ich mich schon, mit welcher grenzenlosen Selbstüberschätzung sich gewisse Wirtschaftsexponenten über ihre Glaubenssätze äussern.

Arbeiten, arbeiten, arbeiten ist die Devise jener Männer, die sich auch noch in der Öffentlichkeit rühmen, dass sie ihre Kinder nur selten sehen. Ich frage mich ernsthaft. warum diese Sorte Mann sich überhaupt dazu herablässt, sich fortzupflanzen, wenn sie denn noch nicht mal den eigenen Nachwuchs geniessen und aufwachsen sehen will. Natürlich ist die Aufzucht dieser Lebewesen Sache der Frau aka die brave Ehefrau.

Ich mag es gar nicht bewerten, doch ein Hinterfragen muss erlaubt sein:
Warum tut man sich so etwas an? Warum heiratet man als Frau einen Mann, der nie anwesend ist? Warum teilt man sein Leben mit einem Menschen, der sich lieber zu Tode arbeitet, als ein präsentes Familienmitglied zu sein? Was ist das für eine Gesellschaft, die den Männern solche Werte vermittelt und sie so ins Burnout oder den frühen Tod treibt?

Ich kenne einige Frauen, die mit sogenannten Alpha-Männchen verheiratet sind.
Das Leben dieser Frauen mag auf den ersten Blick angenehm sein, schliesslich ist immer genügend Geld da. Das Ansehen ist ihnen gewiss. Das verehelichte Haus liegt freistehend, die Nachbarn sind nett und doch genügend weit enfernt.

Doch genügt dieses Leben wirklich?
Reicht es, wenn ich genügend Geld habe, mir regelmässig Schuhe von Prada zu kaufen?
Bin ich zufrieden, wenn meine Kinder auf eine Privatschule gehen, wo man ihnen einimpft, wie viel besser sie als andere Kinder sind? Reicht es mir, wenn ich mit einem Porsche Cayenne durch mein Quartier donnern und die Kinder in den Unterricht bringen kann?

Mitte 30 scheint die Frau als solche auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit, ihrer Schönheit und ihrer sexuellen Lust. Just in dieser Zeit werden wir in Küchen und schöne Häuser verbannt, wo wir die Kinder, den Labrador und den Koi-Teich beaufsichtigen. Der Mann arbeitet, was auch immer, und bringt das Geld nach Hause.

Die Zärtlichkeit zwischen den einstmals Liebenden und das Ausleben der Sexualität kommen zu kurz. Die Männer fallen spätnachts wie tote Fliegen in ihre ehelichen Betten, während die Ehefrauen sich über die Arbeit im Quartierkomitee, Allergien der Kinder, Nachhilfeunterricht, den Impftermin des Hundes und ihre nicht mehr so straffen Brüste Gedanken machen.

Besonders fortschrittliche Familienverbunde leisten sich eine Putzfrau oder ein Au-Pair, um Mami zu entlasten, damit sie sich wenigstens nur noch halb erschöpft ins Zumba oder Poweryoga schleppen kann.
Sehr viel weniger kosten würde ein Ansatz, der alle glücklich macht: ein Liebhaber.

Ja, Sie haben richtig gelesen.

Ich bin überzeugt, dass die Mehrheit der verheirateten Frauen, ja aller Ehepaare, ausgeglichener wäre, wenn sie sich einen Liebhaber suchen und ihrem Mann die Existenz der offenen Ehe eröffnen würde.

Dieser Ansatz hat mehrere Vorteile:

1. Die Ehefrau bekommt Komplimente und kann regelmässig ihre Sexualität ausleben. Dadurch fühlt sie sich (endlich wieder) wahrgenommen und attraktiver. Eine zufriedene Frau ist kreativer, glücklicher und sorgt so für eine gute Atmosphäre. Sie würde von ihren Kindern als weniger verbittert wahrgenommen, was auf deren Entwicklung und Menschenbild bestimmt einen positiven Einfluss hätte.

2. Der Ehemann würde von Schuldgefühlen entlastet werden und könnte sich seiner Frau wieder freier zuwenden (und ihre wiedergefundene Lebenslust entdecken). Dadurch wäre auch er zufriedener, erfolgreicher und gesünder. Da die eheliche Beischlafpflicht entfällt, hat er mehr Zeit für Powerpoint und Power-Lunch!

3. Der Liebhaber könnte sich ein Bild von der Ehe an sich machen, falls er denn nicht verheiratet ist. Wenn er sich bereits im heiligen Stande der Ehe befindet, wüsste er, was er tun müsste, um sich das Leben mit seiner Frau zu erleichtern; also nach einem Liebhaber für die eigene Frau zu suchen, um Terminprobleme zu minimieren.

4. Die Kinder gewinnen auch: Einem anwesenden Liebhaber kann man häufiger Fragen stellen als einem abwesenden Vater. zB so Dinge wie „Wer sind Sie und was tun Sie hier?“

5. Ich bin davon überzeugt, dass auch das Quartierleben durch soziale Interaktion aka Tratsch aufgewertet würde. Statt über schlecht gemähte Rasen oder den lärmenden Auspuff des Porsche Cayenne zu lästern, kann man sich interessanteren Dingen zuwenden, wie zum Beispiel „Wer war denn das, und was macht der bei der Frau CEO?“

Ich plädiere dafür, die Klemmkeile aus den ehelichen Köpfen zu entfernen oder gar nicht erst zu heiraten.