Sind Femen feministisch?

Dem geneigten Freund von Knochen und dummen Geschwätz mag es gestern abend bei der Sendung „Germany’s next Topmodel“ nicht entgangen sein, dass die entblössten Brüste von Femen-Aktivistinnen die kleine heile Welt von Klumhausen gestört haben.

Was ist da passiert?
Gestern abend stürmten die jungen Frauen, wie immer barbrüstig und wütend, die Bühne, während Heidi Klum ihre bedauernswerten Models krönte. Diese hatten sich freiwillig für die schlimmste Fleischbeschau und Frauenhasser-Sendung des deutschen Fernsehens gemeldet. Die Models in spe lassen sich in dieser Sendung herumjagen, beschimpfen und beleidigen. Hätte ich Töchter, würde ich Ihnen den Konsum dieser Sendung verbieten.
Nichts desto trotz: die Femen-Aktivistinnen haben sich Worte wie „Heidis Horror Picture Show“ und „Sadistic Show“ auf die nackten Brüste gepinselt. Das reicht für einige Schlagzeilen in den Medien, Empörung und bei manch einem männlichen Wesen für einen lustigen Abend mit der Kleenexbox.

Die Femen-Aktivistinnen werden alle paar Wochen in der Zeitung abgebildet. Dies passiert wohl nicht nur wegen ihrer politischen Aussagen, sondern vor allem wegen ihrer Brüste. Manch ein Moralist jeglichen Geschlechts mag sich darüber empören. Doch eigentlich ist die Aufregung unverständlich, oder? Der wirkliche Skandal ist der Umgang der Medien und ihrer (männlichen) Konsumenten mit den Frauen. Chauvis lecken sich lüstern die Lippen und bemerken so nebenbei, dass sie sich doch allzu gerne von zwei leckeren, jungen, barbrüstigen Blondinen vernaschen lassen würden. Die ganz Konservativen verurteilen, dass die Frauen überhaupt ihre Brüste zeigen und sich nicht im bigotten Korsett des Anstands bewegen wie sie selber.

Junge Frauen wie die Femen-Aktivistinnen machen mit ihren nackten Körpern auf die Übersexualisierung unserer Welt aufmerksam. Heidi Klum hat zumindest im deutschsprachigen Teil Einfluss auf junge Frauen und deren Essverhalten und Selbstwertgefühl. Wenn mir mein neunjähriges Nachbarskind nämlich sagt, dass sie lange Beine und keine richtigen Brüste haben will, damit sie mal Modelkandidatin bei GNTM werden kann, wirkt der grosse Barbie-Aufruhr von vor ein paar Wochen noch sinnloser. Dass Kinder über Schönheits-OP’s nachdenken, find ich pervers. Brainwash pur dank Heidi Klum. Wie krank ist das denn?

Gehen wir einen kleinen Schritt zurück.
Wie schaffen es Femen überhaupt auf die Bühne eines solchen Anlasses?
Sagt es nicht mehr über unsere Gesellschaft aus, dass wer jung und schön und weiblich ist, unauffällig und ungefährlich wirkt und überall Eintritt erhält? Ist nicht das das Zynische?
Ist es für eine solche Trash-Sendung wie „GNTM“ nicht ein Ritterschlag, dass Femen auf die Bühne stürzt?

Ein Plädoyer für die weibliche Selbstbefriedigung

Düster erinnere ich mich an jene Aufklärungslektionen, die ich in der fünften Klasse geniessen durfte. Ich war elf, hatte noch nicht mal meine Periode und ahnte von nichts.

Unser Lehrer war kein sympathischer Mensch. Es schien mir nie, dass er seinen Beruf wirklich mochte. Beim Thema Aufklärung war das anders. Da erst sah ich ihn zum ersten Mal strahlend. Ich erinnere mich an Kopien auf braunem Ökopapier. Zeichnungen von nackten Menschen. Zeichnungen von Penis und Vagina.

Ich fand das Thema damals peinlich. Dies geschah nicht aus einem blossen Schamgefühl heraus, sondern weil ich auf dem Land aufgewachsen und sozusagen mit den Tatsachen des Lebens vertraut war. Leben und Tod, Geburt und Sterben. Ich kannte das.

Was mich dann allerdings verstört hat, war die Art und Weise, wie die männliche Selbstbefriedigung in allen Farben, Formen und Ausprägungen erklärt wurde. Dabei störte mich nämlich nicht, dass dies vom Lehrer erwähnt wurde, sondern die Tatsache, dass die weibliche Selbstbefriedigung keine Sekunde erwähnt wurde. Die Vagina als Lustobjekt hatte in den späten 80ern im Thurgau keinen Stand. Ich kann mich dunkel daran erinnern, dass ich gefragt habe: „Und was machen denn die Frauen?“ Auf diese Frage bekam ich keine Antwort, sondern nur Lachen.

Mir scheint auch heute noch, dass weibliche Selbstbefriedigung quasi nicht existent, weil gruusig oder nicht adäquat, gehandelt wird. Bei einigen Männern und vielen Frauen scheint es nicht ganz angekommen sein, dass wir Frauen nicht nur Dosen mit Öffnung, sondern erregbare Wesen sind. Anders kann ich mir Statements wie: „Er kann mich nicht befriedigen“, nicht erklären. Frauen sind im Gegensatz zu vielen Männern multiorgasmisch. Das bedeutet, sie können sich befriedigen, mehrere Orgasmen erleben und sich wieder befriedigen. Frauen sind sozusagen Lustwundermaschinen.

Irgendwie scheint das aber in den letzten Jahrhunderten vergessen gegangen zu sein. Frau sitzt anständig da. Frau fasst sich nicht an und frau wartet, bis der allein seligmachende Penisträger vorbeikommt, sie befriedigt und heiratet. Frauen, so läuft das nicht. Legt Hand an. Macht euch glücklich.

Das Märchen von dem Dienstmädchen und dem Brokatkleid

Es war einmal ein alter König. Der hatte einen Sohn, auf den er sehr stolz war. Er liebte seinen Sohn sehr und hoffte, aus ihm würde einmal ein guter König werden. Der König wollte, dass sein Sohn nicht nur eine schöne, sondern auch eine reiche, mächtige und edle Prinzessin zur Frau nahm. Die Königin hingegen wünschte sich für ihren Sohn eine Frau, die ihn so sehr liebte, wie sie selber.

Der König befahl, dass sieben Prinzessinnen sich einfinden sollten. Jede der jungen Frauen war schöner als die andere. Sie trugen edle Kleider und harrten der Dinge. Der Prinz holte eine nach der anderen in sein Gemach. Er hiess sie auf einen der prächtigen Stühle sitzen und warten. Zuerst wurde die Prinzessin begrüsst, dann redeten sie ein paar Worte. Schliesslich klopfte es an der Türe und ein Diener trat ein, der den Prinzen darum bat, ihn kurz zu begleiten, um ein wichtiges Regierungsgeschäft zu besprechen.

Die erste Prinzessin wartete zehn Minuten, dann begann sie zu toben und Keramiken herum zu schmeissen. Ein Diener geleitete sie aus dem Schloss heraus.

Die zweite Prinzessin begann zu weinen, weil sie es nicht gewohnt war, alleine in einem Raum zu sitzen und zu warten.

Die dritte Prinzessin rannte davon.

Die vierte Prinzessin schlief ein und schnarchte.

Die fünfte Prinzessin öffnete all seine Schränke und bestahl ihn.

Die sechste Prinzessin versteckte sich in einem Schrank.

Die siebte jedoch wartete zwei Stunden. Dann entledigte sie sich aller Kleider und legte sich nackt in das Bett des Prinzen.

Als dieser spätnachts erschöpft von des Tages Arbeit ins Bett kroch, bemerkte er sie nicht. Erst am nächsten Morgen sah er ihr sanftes Gesicht, ihre wilden Locken und ihr Lächeln. Er berührte ihre Wangen, ihren Hals und war glücklich.

Der Prinz verliebte sich die Schönheit der jungen Frau und ihre Geduld. Am nächsten Morgen stellte er sie seinem Vater als seine zukünftige Königin vor.
Der König jedoch lachte.
Die Prinzessin, die der Prinz so liebte, war ein Dienstmädchen.

Die Königin nämlich, hatte aus Sorge um ihren Sohn nach einer Frau gesucht, die ihren Sohn wirklich liebte. Ein Dienstmädchen war der Königin aufgefallen, als sie sie dabei beobachtete, wie sie jeden Morgen das Bild des Prinzen im Flur anblickte und dabei strahlte. Die Königin bemerkte, dass des Prinzen Kleider perfekt gebügelt waren und auf seinen Tellern jedes Mal eine kleine Blume lag, damit er sich daran erfreute.

Aus diesem Grunde bat die Königin das Dienstmädchen zu sich und überreichte ihr ein kostbares Kleid, das sie am Tag der Prinzessinnen tragen sollte. Sie gab ihr den Auftrag, sich unter die anderen zu setzen und zu warten, was auf sie zukommen möge. Dies tat das Dienstmädchen.

Der König lachte noch immer, bis er heiser war. Dann wurde er ernst. Er erklärte seinem Sohn, dem Prinzen, dass er diese Prinzessin, die in Wirklichkeit ein Dienstmädchen war, nicht heiraten konnte. Er verbot es ihm. Dieses Frauenzimmer, sprach der König, hat nämlich weder ein Reich, noch ist sie mächtig oder edel.
Der Prinz blickte das Dienstmädchen ernst an und schickte es davon. Er wollte sie nie mehr wieder sehen.

Der Prinz blieb drei Jahre lang ledig und unglücklich. Er ging auf die Jagd, er las kluge Bücher, er zeichnete und er machte Musik. Doch nichts, und vor allem keine Frau, konnte ihm mehr Freude bereiten.

Da ritt eines Tages eine wunderschöne junge Frau auf einem Pferd, begleitet von Dienern in den Hof des Schlosses. Sie trug das allerschönste Kleid, das jemals jemand gesehen hatte. Ihr Kleid war aus rotem Brokat und bestickt mit Diamanten.

Der König selbst empfing die schöne Dame und führte sie ins Thronzimmer. Die Königin sass da und lächelte die Fremde an. Der Prinz jedoch stand wie vom Donner gerührt da.

Die Fremde stand vor ihnen und sie bewunderten ihre Schönheit und ihren Reichtum. Ihre Diener warteten an ihrer Seite.

Da sprach sie:
„Ich bin nicht die, die ihr zu sehen glaubt. Ich bin eine andere. Ich bin das Dienstmädchen. Die Diener an meiner Seite sind meine Freunde, die mich damals aufgenommen haben, als ihr mich davon gejagt habt. Das Pferd gehört meinem Lehrmeister, der es mir ausgeliehen hat, damit ich den Weg zu euch finde. Das Kleid habe ich in meiner Lehre gemacht. Ich bin jetzt Schneiderin. Die Diamanten sind in Wirklichkeit meine zu Stein gewordenen Tränen, die ich um den Prinzen geweint habe.“

Da kniete der Prinz nieder und küsste ihre Hand. In dem Moment war es ihm egal, ob der König seine Einwilligung zur Heirat geben würde. Seine Mutter, die Königin lächelte sanft.

Schon einen Monat später heiratete der Prinz sein Dienstmädchen. Und als es an der Zeit war, wurden sie König und Königin. Sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage.

Sei allzeit bereit, Frau, und immerzu geil.

Oh ja, ich hab mich heute morgen geärgert, als ich diesen „Artikel“ im Blick gelesen habe. Ich hab mich echt gefragt, was das soll.

Eine Pille, die der Frau zu Lust verhilft
Toll. Ich finde, entweder hat frau Lust oder nicht.
Aber eine Pille zu nehmen, um einen Unlustzustand zu ändern, find ich krank.
Fast jede von uns hat es schon erlebt, dass es Zeiten von Unlust gibt. Diese kann verschiedene Ursachen haben: viel Arbeit, Sorgen um Familienangehörige, Sorgen ums Geld, Ärger bei der Arbeit, Krankheit. Das ist nicht mehr als normal.
Dass da jetzt so ein toller Arzt kommt, der die Zauberlösung für dieses Problemchen gefunden haben will, find ich zynisch.

Ist wirklich der Porno dran schuld?
Ich bemerke, dass für jedes Sexualitätsproblem mal schnell die Pornos verantwortlich gemacht werden. Dort können die Frauen nämlich immer. Und in jedem Loch. Und sie findens auch furchtbar erregend, wenn sie geschlagen, mit Sperma oder was auch immer vollgespritzt werden. Immer grinsen sie mit Schlauchbootlippen. Ihre Brüste sind grotesk gross und fest. Die Männer haben praktisch immer Sixpacks, tolle Haare, schöne Hintern und lange, dicke Penisse. Porno ist eine seltsame Phantasiewelt. In Pornos existieren keine Beziehungsprobleme. Es gibt keine Kinder, keine nervenden Schwiegereltern, keinen Chef, der einen triezt. Pornos sind unrealistisch.

Bilder von aussen
Ich stelle fest, dass sich sehr viele Frauen mit ihrem Äusseren auseinandersetzen. An jeder Plakatwand grinsen uns gephotoshopte Frauen zu. Keine Falten. Keine Schwangerschaftsstreifen. Kein Fehlerchen.
Fragen wie: bin ich schön? Bin ich schlank genug? Sind meine Brüste ok? scheinen viele Frauen zu beschäftigen. Das wundert mich nicht. Die wenigsten werden dabei von ihren Männern gepusht. Denen scheint es zwar nicht grad gleichgültig zu sein, wie ihre Frauen für sich selber sorgen, aber Druck wird (meistens) keiner gemacht. Die Männer scheinen auf andere Dinge Wert zu legen: Hat sie mich gerne? Kocht sie gerne für mich? Findet sie mich gut?

Das rührt mich und ich frage mich, was da gerade abgeht. Woher kommt der Druck auf unsere weiblichen Körper? Warum gibt es Lustpillen (die nicht nur aus Schokolade bestehen) für uns Frauen? Müssen wir allzeit bereit unsere Beine spreizen und das Kamasutra auswendig herunter beten können? Müssen wir alle 50 shades of grey gelesen haben uns für BDSM aussprechen, damit wir cool wirken?

Ich behaupte: nein, das müssen wir nicht. Jede Frau darf für sich selber herausfinden, was sie mag und was sie braucht. Und wenn eine Frau bemerkt, dass sie lieber keinen Sex haben will oder nur mit sich selber, dann ist das ihre Entscheidung. Solange sie nicht darunter leidet, hat kein Mensch das Recht, ihr zu sagen, dass sie krank ist und dagegen Pillen schlucken muss. #hueresiech

Tits for nothing

Es ist tatsächlich von der Natur gegeben, dass wir Frauen zwei so Dinger mit uns herumtragen, die aus Fett- und Bindegewebe, sowie jeweils einer Brustdrüse bestehen. Brüste. Umgangssprachlich auch Titten oder Möpse, Milchbeutel oder Busen genannt.
Einige von uns haben ihre Brüste durch Krebs verloren, bei anderen wiederum sind sie klein, bei anderen gross.

Fast keinen lassen Brüste kalt.
Sie sind der Quell des Lebens. Das ist jetzt zwar etwas pathetisch, aber ich finde, es stimmt.
Brüste sind schön.
Sie werden verehrt, bewundert, beneidet, geliebt.

Leider aber werden Frauen mit sehr kleinen oder sehr grossen Brüsten diskriminiert und belächelt. Den einen spricht man die Weiblichkeit ab, betitelt sie mit schlimmen Namen, die anderen werden Opfer von Sprüchen und schlechter Kleidung.

Wirklich, ich bin verwundert:
In Zeiten, wo Pornostars Müsliriegel für Kinder bewerben, wo es normal scheint, dass sechzehnjährige Mädels auf ihre Brustvergrösserung sparen, wo frau mit 25 nach dem zweiten Kind eine Bruststraffung von ihrem Mann gesponsert kriegt, scheinen BH’s rarer denn je.
Nie waren in unseren Breitengraden die Brüste grösser. Trotzdem bekommt frau selbst in sogenannten Fachgeschäften keine schöne, angenehme Unterwäsche.

Es scheint ein Fluch über den weiblichen Brüsten zu hängen:

Seid gross und prall! Seid riesig!
Aber bitte haltet euch nur an einem Körper mit Kleidergrösse 36 auf.

Wie zynisch ist das denn?
Passende Unterwäsche für einen weiblichen Körper gibt es hauptsächlich in den Farben beige, weiss, schwarz und leopardenfarbig. Handelsübliche Produkte sind teuer und von schlechter Qualität. Einschneidende Träger, schlecht sitzende Bügel und kratzende, schlecht verarbeitete Spitzen sind keine Seltenheit.

Und dann kommt fucking H&M und macht Werbung mit einem schönen „dicken“ Mädchen. Sie trägt Grösse 42 und wir Frauen fühlen uns schlecht. Sollen wir uns alle jenseits der 36 nun kollektiv den Finger in den Hals stecken oder uns gleich beim Chirurgen unseres Vertrauens anmelden?

Barbie, die blonde Superfrau und ich

Ich kann mich noch dunkel erinnern, dass meine Mutter und meine Oma eine ernste Diskussion miteinander führten. Über Barbie. Ich spürte, das würde kein guter Tag werden.

Barbie. Die Wunderfrau. Die blonde Superbiene. Grosse Brüste. Schmale Taille. Veilchenblaue Augen. Das Feindbild aller Feministinnen.

Aller Feministinnen?
Nein. Eine, die hier diesen Text schreibt, liebt(e) ihre Barbies.
Sie erahnen schon. Ich bin ein Fangirl.

Im Ernst. Ich habe meine erste Barbie mit 9 bekommen. Ich erinnere mich an sie noch sehr viel besser als an meinen ersten Freund, obwohl der später kam.
Die Pfirsichblütenbarbie. Ich erhielt sie von meiner Grossmutter zu Ostern. Pfirsichblütenbarbie, ich nannte sie Mary, war schön! Ich liebte ihr Ballkleid. Ich mochte ihr schönes Gesicht. Ich staunte über den feinen Stoff und den tollen Schnitt.

Viel mehr noch als die Ballkleider hingegen liebte ich die Barbie Couture. Ich mochte die einfachen kleinen Kleider in bunten Farben. Das tue ich heute noch. Ich denke nicht, dass ich jemals daran gezweifelt habe, dass Barbie eine Kunstfigur ist. Eine Puppe. Eine Barbie halt.

Als kleineres Mädchen erhielt ich von meinem Paten Puppen. Babypuppen. Puppen mit langen Haaren. Gross und lebensecht. Ich habe diese Puppen so gehasst! Ich wollte nicht Mutter spielen. Ich sah keinen Sinn darin, ein aus Gummi oder Plastik hergestelltes Ding zu füttern. Auch nicht pro forma.

Barbie hingegen war die Verheissung einer erwachsenen Welt. Ich wollte, wie Barbie, irgendwann mal knielange Jupes, schöne Blusen und tolle Unterwäsche tragen. Ich wollte, wie Barbie, einen tollen Job und schöne Möbel. Barbie war selbständig, schön und toll. Ein Vorbild.
Wenn Barbie mir so die Kindheit versaut hat, dann danke!

Das einzige, was mich an Barbie nachdenklich macht, ist die Art und Weise der Herstellung. Wer arbeitet in diesen Fabriken? (Frauen, na klar!) Sind sie anständig bezahlt? Wie sind ihre Arbeitsbedingungen?

Meine Mutter und meine Grossmutter stritten sich über Barbie. Meine Mutter war sauer, denn sie fand es nicht lustig, dass ich von Oma eine Barbie bekam und sie als Kind nicht. Man höre und staune.

Ich habe (leider) keine Tochter.
Wenn ich eine hätte, würde ich ihr vielleicht eine Barbie, ja sogar eine dieser grässlichen Vampirpuppen, kaufen, wenn sie denn eine haben möchte.
Falls sie lieber einen Traktor oder einen Bagger haben möchte, würd ich ihr halt den schenken. Ich habe ja Geld. Es geht mir gut.

Nur eine tote Frau

Ich bin erschüttert, wenn ich darüber lese, wie Männer ihre Frauen, Söhne und Töchter umbringen. Ich kann es mir nicht vorstellen, wie jemand so etwas tun kann. Mir fehlt jegliches Einfühlungsvermögen und Verständnis. Darüber bin ich froh. Ich könnte niemals einen Beruf ergreifen, wo ich es mit eben jenen Tätern zu tun hätte.

Ich bin eine Frau. Frauen sind häufig Opfer von Gewalttaten.

Ein potentielles Opfer zu sein, ist ein totales Scheissgefühl. Ich bin froh, dass ich in einem Umfeld lebe, wo Männer mit ihren Frauen und Kindern anständig umgehen.

Anders verhält es sich wohl im Umgang mit anderen Kulturen und/oder Männern, die von jeher mit einem schlechten Selbstwertgefühl ausgestattet sind. Diese betrachten Frau und Kind als Besitz. Besitz ist unantastbar. Wenn sich die Frau eines solchen Mannes, aus welchen Gründen auch immer trennen will, betätigt sie eine Zeitbombe. Die Männer rasten früher oder später aus. Sie ballern mit Waffen ihr Liebstes über den Haufen, töten vielleicht sogar noch Menschen aus dem Umfeld oder zerhacken ihre Frau lebendigen Leibes.

Solche Männer machen mir Angst.

Ich bin froh, dass ich in meiner Familie gelernt habe, mich niemals mit einem solchen Menschen einzulassen. Aber ebenso Angst machen mir sogenannte Fachleute, Richter und Anwälte, die die Täter nachher einschätzen und verurteilen müssen. Die Aufgabe scheint gewaltig. Sie (über)fordert den ganzen Mann. Ich bemerke hierbei, dass dies hauptsächlich durch Männer geschieht. Wo bleiben weibliche Richter, Anwälte? Würden diese anders entscheiden?

Fest steht für mich, und das nicht erst seit gestern oder heute: die Opfer bleiben auf der Strecke. Sie wurden nicht nur grausam getötet oder schwer verletzt. Nein. Im Verfahren geht es nur um die Täter. Männer verurteilen Männer wegen Taten an Frauen und Kindern. Wenn ich dann lese, dass so ein Mensch, der sein ehemals liebstes in blutige Stücke hackt, als netter Mensch beurteilt wird und die Strafe „nicht leichtfertig ausgereizt“ werden soll, kommt mir das grosse Kotzen.

Die Frau wurde geliebt. Sie wurde aus den Reihen ihrer Lieben gerissen und zerstört. Sie wird obduziert und begraben. Und damit scheint das Problem gelöst für den Mann.

Ihr gehört alles Mitgefühl. Sie hat ihr Leben gewaltsam verloren. Doch sie existiert in einem solchen Fall nur noch als Summe ihrer abgerissenen Körperteile, als Nummer, als Diagnose oder als Grund für den Ausraster des Mannes.

Wir Schweizer regen uns über fremde, uns bedrohende Mentalitäten auf und bemerken nicht, dass wir selbst gewalttätig sind. Die Opfer haben keine Stimme mehr und die zukünftigen Opfer interessieren keinen, egal ob sie Julie oder Marie oder Semka heissen.

 

siehe auch hier