Sei (k)eine Mutter!

Manchmal frage ich mich, warum das so ist, dass ganz normale Menschen, sobald es um Elternschaft und Kinder geht, zu unhöflichen Idioten werden. Es ist nämlich so, dass Menschen, die kürzlich zu Eltern wurden, sich manchmal vom Schicksal dazu berufen fühlen, kinderlosen Menschen, besonders Frauen, die Sinnlosigkeit ihres traurigen Daseins aufzuzeigen. Nun, liebe Eltern, ich möchte euch, gerade nach dem Genuss des NZZ-Artikels folgendes mitteilen:

„Keine Kinder zu haben, ist unsozial! Wer bezahlt denn mal deine Rente? Meine Kinder??“

Es ist nicht so, dass mein (kinderloses) Leben sinnlos ist. Bevor ihr beide euch entschieden habt, ein Kind zu zeugen, habe ich zwei Angehörige gepflegt. Das ist zwar nicht wie Kinder kriegen, eher das Gegenteil, aber ebenfalls ein sozialer Akt, von den entstandenen Kosten, die ich trug anstatt der Gesellschaft, gar nicht zu sprechen.

„Ohne Kind ist eine Frau doch gar keine richtige Frau!“

Ich fühle mich sehr wohl als kinderlose Frau, denn ich besitze den Körper einer Frau. Ich habe Brüste, eine Vagina und Eierstöcke. Zwar ist mein Körper nicht von einer Geburt gedehnt und ich habe auch nie einen Dammbruch erlitten, aber damit kann ich gezwungenermassen leben. Ich trage Röcke, zahle eine höhere Krankenkasseprämie als ein Mann, menstruiere regelmässig und mag Filme mit Meg Ryan.

„Du weisst nicht, was du verpasst.“

Ich fühle mich Freundinnen, deren Kindern, Freunden und deren Familien verpflichtet. Ich bin oftmals froh, dass ich mich um meine Angelegenheiten kümmern kann und nicht noch ein Kind zu erziehen habe.

„Wenn man ein eigenes Kind hat, liebt man es einfach.“

Wer sagt, dass man sein eigenes Kind einfach so liebt, lügt. Es ist eine Illusion, dass dies immer so ist. Wer beispielsweise Gewalt und/ oder Missbrauch erlebt hat, wird sich eventuell genau deswegen gegen Kinder entscheiden, weil er eigene Erlebnisse nicht nochmals erleben will und einem Kind das eigene Vorleben nicht zumuten will. Ich persönlich habe mich für eine Katze entschieden, die ich liebe und die ich bis zu ihrem Tod verknuddeln werde. Das ist keine schlechte Wahl.

„Dingdong, deine biologische Uhr tickt!!“

Den Spruch habe ich Weihnachten 2008 gehört. Ich hatte kurze Zeit zuvor eine Unterleibs-OP und litt noch immer unter Schmerzen. Ich hatte mich frisch getrennt. Der dumme Satz schmerzte mich. Denn anstatt die Augen zu schliessen und still und schamvoll in mich hinein zu weinen, hätte ich den Urheber dieses Satzes am liebsten an den Hoden gepackt und angeschrien: „Hier tickt nichts mehr, du unsensibles, dummes Arschloch!“

Beste Grüsse
zora

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