Die unsägliche Sendung

Immer wieder bekomme ich mit, wie junge Frauen am Tag nach der Sendung sich im Zug darüber unterhalten. Dick sein ist scheisse, auch wenn „dick“ Grösse 36 bedeutet. Ich mein’: WTF??

Da lassen sich Boulevardzeitungen und Frauenzeitschriften über die Modells aus. Bemängeln die Brüste. Die Schenkel. Den Hintern. Den Bauch. Nicht mal an der Toggenburger Viehschau geht es so zu. Es ist ekelerregend.

Über die Modeindustrie zu philosophieren ist ein Fass ohne Boden. Die Designer sind mehrheitlich schwul und propagieren ihr eigenes Schönheitsideal. Und das ist verständlicherweise nicht weiblich. Trotzdem hungern sich Mädchen und Frauen in Kleidergrössen hinein, die nicht für ihre Brüste und Bäuche gedacht sind.

All das könnte man stehen lassen und sich einfach wundern.

Aber nein. Heidi Klum, diese fleischgewordene Grinsekatze ohne Charakter und ohne Stil, masst sich an, anderen Frauen (Menschen!!) zu sagen, was sie an sich ändern müssen, um so zu werden wie sie: kantenlos, langweilig, knochig und ganz einfach doof.

Wenn man der Umwelt und sich selber einen Gefallen machen will, schaltet man ganz einfach den Fernseher aus. Punkt.

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Bye Annabelle

Die Annabelle und ich gehen getrennte Wege.
Über zehn Jahre lang hab ich sie gelesen und geliebt. Ich mochte die Auseinandersetzung mit dem Frausein in der Schweiz, das kritische Hinterfragen von Normalitäten und das Engagement der Macherinnen.

Offensichtlich haben gewisse Männer, wie beispielsweise der Tamedia-Verleger Pietro Supino, damit ein Problem. Katharina Bracher von der NZZ am Sonntag schreibt in ihrem Artikel „Politverbot für Annabelle“ unter anderem über die Stellungnahme des Tamedia-Sprechers Zimmer: „Politische Kampagnen gehören nicht zu den Aufgaben unserer Medien.“

Dazu mag man stehen, wie man will. Ich mochte die Aktionen gegen die Armeewaffen zu Hause und das Engagement für die Frauenquote. Die Auseinandersetzung mit diesen Themen verlangte Gespür und auch Mut. Die Chefredaktorin Lisa Feldmann hat mit diesen Kampagnen bewiesen, dass sie am Puls der Zeit und vor allem bei den Frauen nahe dran ist.

Wahrscheinlich wäre ein Heftli, das sich einfach nur um Mode, den neuesten Lippenstift, meinetwegen noch Tipps für die ehelichen Pflichten dreht, im Sinne von Herrn Supino. Wir Leserinnen hingegen verzichten liebend gerne drauf. Dafür sind wir uns zu schade. Das hat „unsere“ 74jährige Annabelle nicht verdient. Ich kündige mein Abo.

Frau Pieren, der Feminismus und die unterschwellige Frauenfeindlichkeit in den Medien

Da ist mir doch heute morgen im Frühdienst während der Kaffeepause fast das Brot im Hals stecken geblieben, als ich den seltsamen Artikel in der Sonntagszeitung zum Thema „Familienartikel“ las.

Die Journalistin Katia Murmann hat die Nationalrätin Nadja Pieren in deren Ferien zum Essen getroffen. Was zuerst nach einem gemütlichen Frauentee mit Kuchen aussieht, entpuppt sich aber als Abrechnung mit berufstätigen Frauen und dem von der SVP fieberhaft hochgehaltenen Muttermythos.

So erfahren wir, dass Frau Pieren das Praliné zum Kaffee verschmäht und abends gerne ein Glas Wein trinkt, allesamt Informationen, die wir in einem Interview mit einem Politiker nie zu lesen bekämen. Auch die Beschreibung von Frau Pierens Kleidung entbehrt jeglicher Sinnhaftigkeit. Oder haben Sie schon mal in einem Interview gelesen, ob Nationalrat XY eine leuchtendrote oder metallischgrüne Krawatte trägt, während er an einem Import-Mineralwasser (ohne Kohlensäure) nuckelt?

Viel spannender aber scheint Frau Pierens Abrechnung mit dem Feminismus, der die Titelzeile prägt. So erzählt die Politikerin, dass sie „so ihre Probleme mit dem Feminismus“ habe, aber Krippen nichts schlechtes findet. Ist ja klar, schliesslich führt sie selbst eine. Ich stimme sogar mit ihr überein, dass Frauen (und Männer) wählen dürfen sollten, ob sie „daheim“ bleiben oder arbeiten wollen. Ich nehme ihr ab, wenn sie sagt, es gäbe genügend Kinderkrippen, auch wenn ich die Probleme meiner KollegInnen, eine zu finden, tagtäglich mitbekomme. Ihre genannten Zahlen schüchtern schliesslich fast jeden ein.

Aber eines nehme ich dieser Frau Pieren wirklich übel. Ihre Äusserungen über Frauen, die „Karriere machen“, was auch immer das heissen mag. Kinder werden also vernachlässigt, wenn Mami mehr als drei Tage in der Woche arbeiten geht. Meine Güte! Frau Pieren, wo leben Sie eigentlich? Was nehmen Sie sich heraus?

Frau Pieren hat natürlich keine Kinder. Denn sonst könnte sie keine Politik betreiben und uns mit ihrem Nachkriegsfrauenbild beglücken. Aber: Frau Pieren arbeitet in der Betreuung. Mit der Aussage, dass (viel-) arbeitende Mütter ihre Kinder vernachlässigten, beleidigt sie ihre potentiellen Klientinnen. Und das ist ein berufsethisches No-Go.

Wenn ich eine der Klientinnen von Frau Pieren wäre, wäre dies ein Grund, mein Kind von jemand anderem betreuten zu lassen. Denn offensichtlich bringt sie keine Wertschätzung für die Frauen bzw. Familien auf, die auf Kinderkrippenplätze angewiesen sind. Aber Wertschätzung erwarte ich von der Leiterin einer solchen Einrichtung, es ist ein echtes Qualitätsmerkmal. Aber auf Wertschätzung können diejenigen, die auf Krippen angewiesen sind, offenbar nicht zählen.

Sprache und Feminismus

Gestolpert bin ich heute über einen Artikel von Barbara Marti , der eine Aktion von französischen Frauen beschreibt, die im „Le Nouvel Observateur“ darüber sprechen, dass sie vergewaltigt wurden.

Auf den ersten Blick scheint der Artikel harmlos. 313 Frauen bekennen sich dazu, vergewaltigt worden zu sein. Natürlich erinnere mich an den Stern-Titel von vor 40 Jahren. „374 Frauen bekennen sich dazu: ich habe abgetrieben!“. Das war ein Skandal damals. Abtreibung war illegal. Und diese Frauen meldeten sich zu Wort und sprachen darüber. Ein Meilenstein des Feminismus.

Doch hier, bei der Aktion in Frankreich bleibt ein schaler Nachgeschmack. Frauen “bekennen” sich also zu ihrer Vergewaltigung. Müssten sich nicht die Täter dazu bekennen, Frauen vergewaltigt zu haben?

Natürlich weiss ich, dass ein „Bekenntnis“ auch die repräsentative, offene Äusserung, eine Öffentlichmachung bedeutet. Aber klingen tut es nach Schuldbekenntnis. Und fragwürdig ist auch die Haltung dahinter: Die vergewaltigten Frauen nehmen mit ihrer Öffentlichkeitmachung also in Kauf, dass sie benachteiligt und stigmatisiert werden. In gewissen Kulturkreisen würden sie deswegen gesteinigt. Mit einem Bekenntnis setzen sie sich demnach Schande aus. Sie werden geächtet. Und das kann ja wohl nach einer Straftat nicht sein!

Diskriminierung fängt bei der Sprache an. Wir haben Wörter, die weibliche und männliche Eigenschaften umschreiben. Eigentlich sind wir Menschen doch zunehmend (zu sehr) sensibilisiert, wie unsere Sprache zu gebrauchen ist.

Vielleicht müsste es heissen, und das hasse ich noch sehr viel mehr: „Wir Frauen stehen dazu, dass wir Opfer einer Vergewaltigung waren“.

Opfer sein bedeutet Schwäche. Stigmata. Manch eine/r wird doch denken, die hat sich nicht genügend gewehrt.
Wie man es dreht und wendet, die Sprache ist gegen uns Frauen. Und wir Frauen selber benützen eine Sprache, die beschreiben und nicht stigmatisieren sollte.

Liebe Barbara Marti, es wäre der Sache mehr geholfen, wenn Sie als Journalistin sich der Macht Ihrer Worte bewusst wären. Frauen müssen sich nicht zu Taten bekennen, die man ihnen angetan hat.

Rückwärtsgang

Für meine Eltern war es nicht wichtig. ob ich ein Junge oder ein Mädchen werde. Sie haben sich auf ein Kind gefreut. Ich bin dementsprechend frei aufgewachsen. Meinem Vater half ich beim Misten im Stall und meine Mutter war nie sauer, dass ich Puppen nicht mochte.

Für meinen Götti war es allerdings schon schwieriger. Der hat hat mir nämlich nie Lego und Bausteine geschenkt, sondern Puppen. Puppen mit langen Haaren. Babypuppen. Und Kettchen. Verständlich, dass ich damit nichts anfangen konnte?

Meinetwegen hätte die Kindheit endlos weitergehen können. Ich fühlte mich als Mensch. Nicht als Frau. Das hat sich erst (schmerzhaft) geändert, als meine Brüste zu wachsen begannen.

Frausein im Thurgauer Hinterland bedeutete in erster Linie: anständig sein. Davon habe ich leider nicht so viel Ahnung. Ich interessierte mich für Archäologie und griechische Gottheiten. Ich hatte gottseidank einen intelligenten, herzensguten Konfpfarrer, der mich unterstützte. Er hielt meine Leidenschaft fürs Schreiben, für Arabien und längst vergangene Zeiten nicht für eine Verhaltensauffälligkeit wie gewisse andere Lehrer. (Ja, Herr S., Sie waren echt ein Arschloch!)

Frauen in meiner Generation machten das KV. im Reisebüro Mittelthurgau. Oder gingen ins Lehrerinnenseminar nach Baldegg. Ich litt unter Zahlenblindheit und war nicht katholisch. Schlechte Mischung. Ich hatte andere Pläne. Das passte meinem damaligen Klassenlehrer gar nicht. Es war ihm zuwenig. Für mich war es das Paradies. Ich machte eine Lehre in einer Confiserie. Der Geruch der Schokolade. Die Farben. Die Kunden. Meine Uniform. Das Schaufenster.

Ich habe es sehr geliebt und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass meine Lehrjahre die schönsten Jahre meines Lebens waren. Der Betrieb in der Backstube, mehrheitlich Frauen in der Lehre, unsere Lehrmeisterin; das war prägend. Ich habe Toleranz, Demokratie, Anstand und Meinungsausdruck gelernt. Und obwohl unsere Lehrmeister schon weit über 60 waren, habe ich sie als geistig junge Menschen empfunden.

Diese Zeit hat mich wie gesagt geprägt. Die Förderung von Frauen ist kein Almosen an eine schwache Gruppe. Sie ist harte Arbeit. Aber sie lohnt sich.

Männer.

Ich habe mir sagen lassen, ich sei keine richtige Feministin.

Das finde ich natürlich interessant.
Schliesslich höre ich diesen Satz nur von Männern. Nie von Frauen.
Warum bloss?

Ich habe mir sagen lassen, dass Feministinnen Männer hassen.
Das kann ich von mir nicht behaupten.
Ich mag Männer. Ich liebe sie sogar.

Ich hatte das Glück, in meiner Kindheit einen wunderbaren, warmherzigen Vater zu haben, der uns Kinder über alle Massen liebte und für uns da war. Das ist mehr, als heute viele Kinder haben. Mein Vater nahm extra eine Stelle an, bei der er immer für uns erreichbar war. Was für ein Liebesbeweis. Vielleicht hätte er an einer anderen Stelle mehr verdient. Weniger gearbeitet. Wäre glücklich geworden. Aber nein. Er hatte das so für sich entschieden.

Männer wie meinen Vater gibt es viele. Sie sind tapfer. Liebevoll. Sensibel. Stark. Haben ein gutes Herz. Sorgen für ihre Familie. Sie werden von ihren Kindern und Frauen geliebt. Und das ist so wichtig.

Aber es gibt auch die anderen Männer.

Es gibt Täter.
Es gibt Männer, die Menschen weh tun.
Die Kinder missbrauchen.
Die Frauen demütigen. Verletzen. Schlagen. Vergewaltigen.

Diese Männer bekämpfe ich.
Denn sie haben es nicht anders verdient.

Frauenquote. Hueresiech.

Gestern abend hatte ich das (zweifelhafte) Vergnügen, am sogenannten Aperitif-Podium der SP Zürich beizuwohnen.

Zweifelhaft deshalb, weil ich mich als thurgovienne par coeur und sogenanntes Büezerkind auf einem absolut fremden Planeten wähnte.
Ich meine: diese älteren, ehrenwerten Herr- und Frauschaften wirkten eher so, als ob sie in ihrer Freizeit gerne in den Chanel-Sale an der Bahnhofsstrasse gehen. Die sahen nicht so aus, als ob sie sich wirklich für die Karriere von uns Frauen zwischen 18 und 40 interessierten. Definitiv nicht meine Welt!

Die Diskussion über Quoten und Frauen war denn auch sehr abstrakt und nicht wirklich an der Realität der meisten Frauen der Stadt (und wahrscheinlich der ganzen Schweiz) festgemacht.

Die meisten Frauen haben nämlich nicht Physik studiert. Wir sind keine Professorinnen und wir sind keine Kaderfrauen im oberen Segment. Ist die Frauenquote wirklich etwas, was die meisten Frauen betrifft? Braucht es nicht eine Auseinandersetzung mit den alltäglichen Themen, die uns begegnen?

Was nützt mir als angehende Führungsfrau eine Quote, wenn ich zwar das Kind und die Katze unter Dach und Fach weiss, aber nicht die Oma?

Spielt wirklich das Spielzeug, das ich als Mädchen in die Hände bekomme, eine tragende Rolle, ob ich mal einen Betrieb mit 1500 gröhlenden Angestellten managen kann? Ist das nicht einfach eine Ablenkung? Wer bestimmt denn, was weiblich und männlich und gut und schlecht ist?

Bestes Beispiel dafür war für mich im Saal eine Dame, die sich aufregte, weil eine andere Frau das Wort „Saugoof“ benützte. Mehrere Male! Sie hat sich darüber beschwert, dass die andere Frau so redete. Gleichberechtigung beginnt doch damit, dass wir uns gegenseitig unsere Sprache lassen. Ohne Bewertung, bitteschön.

Es ist doch so, dass in Pflege und Betreuung mehrheitlich Frauen arbeiten. In den Führungspositionen sitzen dann aber Männer. Woran liegt das? Trifft Herrn B.’s Aussage zu, dass man in unserem Beruf keine Bildung braucht, da man ja eh nur Ärsche wischen muss? Und: Ändert die Frauenquote da wirklich was?

Ich denke, die Frauenquote braucht es nur dann, wenn jeder von uns fest zementierte Männer- und Frauenbilder im Kopf mit sich trägt. Ich kann genauso gut einen Betrieb führen, wie mein Mann, der dank reduziertem Pensum zuhause für Kind, Katze und Oma schauen kann.

In diesem Sinne: Huere Gopfertelli Siech nomole.