Die ewige Formel eins oder die verdammte Jungfräulichkeit

Die Sache mit der Jungfräulichkeit ist nichts, was nur fremde Völker betrifft.
Ich kann mich dunkel erinnern, dass eine Freundin meiner Mutter mir mit zwölf davon abriet,Tampons zu benutzen, da mein Hymen in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.
Ich würde es spätestens bei meiner Hochzeit bitter bereuen. Das war 1989.

Hat sich seither viel verändert?
Man könnte meinen, ja.
Ich bekomme mit, dass die jungen Frauen von heute sich nicht mehr rechtfertigen müssen, dass und mit wem sie schlafen. Das ist gut.

Dennoch ist die allgegenwärtige Lustfeindlichkeit, eine Gegenbewegung zur Pornowelle, in aller Munde. Junge Menschen sollen keusch leben. Keine Zigis, kein Alk, kein Sex.
Das Gegenteil ist der Fall. Man kann nur übertreten und verletzen, was verboten scheint.

Noch immer verstehe ich den Grund des Jungfräulichkeitskults nicht. Was bitte ist denn so anziehend an einer jungen Frau, die von nichts eine Ahnung hat? Die keine Erfahrung hat?
Ist das Festhalten an der Jungfräulichkeit einer Frau nicht einfach nur dumm und ein Ausdruck der Möchtegern-männlichen Macht?

Es ist besitzergreifend. Ein Zeichen von Schwäche. Ein Mann dieser Sorte mag denken: ich bin der einzige, den sie je haben wird, je haben darf. Alles andere geht gar nicht.

Natürlich ist es gar kein Thema, dass diese Art von Männern wild rumvögelt. Ohne Pardon. Frauen sind für sie nicht mehr als ein, vielleicht auch zwei williges Loch zwischen den Beinen.

Ich persönlich finde, dass frau ihre Erfahrungen vor der Ehe machen sollte. Wenn sie denn schon heiraten will, dann doch wenigstens jemanden, der sowohl intellektuell als auch sexuell zu ihr passt. Alles andere ist anstrengend.

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Beschimpfe mich oder ich blute!

Bei der ganzen Diskussion um jenen SVP-Stadtpräsidenten aus La Chaux-de-Fonds ging mir eine Sache nicht aus dem Kopf:

Kann man(n) eine Frau beschimpfen, indem man sie fragt, ob sie ihre Tage hat?

Ich denke, nein. Schliesslich ist die Menstruation eine natürliche Sache. Es gibt keinen Grund, dass sich frau deswegen heute dafür schämt.

Aber nun ja, in unserem Kulturkreis ist die Menstruation ein Tabuthema.
Die Frauen gelten als unrein, was bestimmt auch an der jüdisch-christlichen Religion liegt.
„Der Herr sprach zu Moses: Schläft ein Mann bei einer menstruierenden Frau, so sollen beide aus dem Volk ausgerottet sein.“

Es ist ja kein Wunder, dass so besonders Männer Mühe mit dem weiblichen Blut bekunden. Wer will schon wegen Blut aus der Fussballmannschaft geschmissen werden.

Seltsamerweise haben andere Völker, zum Beispiel die Tukano, einen anderen Umgang damit. Männer ahmen da die weibliche Blutung nach und ritzen sich den Penis, die Nase, die Zunge, Finger oder den Arm auf, damit auch sie bluten. Eine Art „Gebär- und Menstruationsneid“?

Das Buch von Gabriele Pröll mit dem leider etwas esoterischen Titel „Das Geheimnis der Menstruation“ gibt Aufschluss darüber, dass die Menstruation aber nicht einfach nur ekelig und gruusig ist.

Das ändert aber noch nichts daran, dass hierzulande besonders Männer, wenn sie eine Frau so richtig fertig machen wollen, sagen:
„Spinnsch, häsch s’Züüg?“

oder

„Chunnsch bald dini Täg über?“

Natürlich finde auch ich es unverschämt, wenn mir das so ein mittelalterlicher Schnösel an den Kopf knallen würde. Aber es wäre doch spannend, wenn wir Frauen in Zukunft auf einen solch machohaft-dummen Spruch antworten könnten:

„Ja? Wollen Sie zusehen?“

oder

„Ja, brauchen Sie noch Dünger für Ihre Orchideen?“

oder

„Nein. Wollen Sie darüber gerne mehr wissen? Ich hätte da noch einen Prospekt über Menstruationstassen in meiner Handtasche.“

weitere kreative Totschläger-Antworten sind willkommen!

(k)ein Witz zum Schluss:

„Warum trauen Männer Frauen nicht?“
„Weiss nicht.“
„Männer trauen nichts, was jeden Monat fünf Tage blutet und trotzdem nicht stirbt.“

Gedanken zur Wehrpflicht

Mit grossem Interesse verfolge ich die Diskussionen zur Abstimmung der GSOA-Initiative. Spannend finde ich die Argumente der Befürworter. Sie sind gelinde gesagt überraschend.

Bei der Diskussion über die Wehrpflicht der Männer tauchen mit einem Mal Argumente auf, die hochemotional und geschlechterspezifisch sind. Gestandene Männer regen sich auf, dass Frauen überhaupt über dieses Thema abstimmen dürfen. Schliesslich müssen Frauen nicht einrücken. Wie also sollen sie mitreden, wenn es sie gar nicht betrifft?

Wer vor Jahren solche Argumente bei Abstimmungen wie beispielsweise der Mutterschaftsversicherung brachte, wurde als übler, männerhassender Blaustrumpf beschimpft. Natürlich dürfen in einem freien, ach so tollen Land wie der Schweiz beide Geschlechter über alles abstimmen. Alles andere wäre Diskriminierung.

Dass die Männer plötzlich Punkte bringen, wie „die Frauen sollten aber auch Wehrdienst leisten“ ist ebenfalls amüsant. In gewisser Weise tun sie es nämlich schon längst. Sie waschen die Wäsche ihrer Männer und Söhne, wenn sie aus dem Dienst kommen. Sie hören zu und trösten. Das ist jetzt natürlich sehr zynisch, passt aber zum Bild, das allgemein von der „guten Frau“ hierzulande herrscht.

Man kann sich wirklich fragen, wie sinnvoll der Einzug von jungen Frauen und Männern in die Armee ist. Wie müsste dieser Dienst aussehen? Würde dadurch mehr Sicherheit bestehen? (Wenn Sie mich fragen, nein.) Würde mehr Gerechtigkeit herrschen?

Ein Argument der GSOA ist die Gerechtigkeit in Sachen Einbezug. Auch hier wundert sich frau, dass (wohlhabende) Sportler wie Roger Federer offensichtlich nicht eingezogen werden, da sie Ärzte in der Hinterhand haben, die sie davon befreien. Hoffnungsvolle Sportler bekommen ein von der holy Swiss Army abgesegnetes Spezialangebot und dürfen dosiert trainieren. Was aber ist mit all jenen Männern, die einfach nur ihren Beruf ausüben wollen?

In meinem näheren Umfeld nehme ich die Musterung als persönliches Drama für die betroffenen jungen Männer wahr. Sie sind verunsichert, gerade was ihre weitere berufliche Laufbahn angeht. Mehr als einer bezeichnet den Wehrdienst als verlorene Zeit. Probleme wie Drogenkonsum und Alkoholmissbrauch werden vermehrt erwähnt.

Sehr beeindruckt hat mich zu diesem Thema Brenda Mäder, die sich klar und sachlich zu diesem Thema zu Worte gemeldet und Argumente unterlegt hat, die mich, jenseits der Geschlechterdiskussion, überzeugt haben. Sie hinterfragt die Art und Weise des unfreiwiligen Einzugs. Im Thurgau ist die Stellungnahme einer jungen, intelligenten Frau offensichtlich nicht gefragt. Sie wurde beleidigt und beschimpft.

Geschieht den Männern hier ein Unrecht?
Oder baden die jungen Männer von heute einen ausgelutschten Mythos von gestern aus?

Anna und die kleine Krähe

Am Wochenende machten Anna und Papi immer einen Spaziergang. Papi wusste den Namen jedes Baumes und erkannte die Singvögel an ihrem Gesang. Anna rannte fürs Leben gern über die Felder ums Haus und am Wald entlang.
Als sie unter einigen besonders hohen Bäumen lief, hörte sie ein leises Fiepen und Krächzen. Am Boden lag ein kaputtes Nest und daneben ein kleiner, noch fast federnloser Vogel.
Sie sah sich ihn näher an.

Es war eine junge Krähe. Sie war mitsamt ihrem Nest vom Baum gefallen.
Anna nahm ein Taschentuch aus dem Hosensack. Damit wickelte sie den kleinen Vogel ein und rannte mit ihm schnell zu Papi.
Der war nicht sehr erfreut. «Zuerst müssen wir nachsehen, ob seine Eltern noch irgendwo hier sind. Die haben nämlich nicht so Freude, wenn du einfach ihr Junges anfasst.»
Anna zeigte Papi, wo sie den kleinen Vogel gefunden hatte. Ein paar Meter weiter lag das zerstörte Nest. Anna war den Tränen nahe.
«Aber er stirbt doch. Ich muss für ihn schauen.»
«Du kannst doch nicht jedes Tier, das du findest, mit nach Hause nehmen!»
Anna hielt die kleine Krähe noch immer in der Hand und schaute Papi traurig an.
Papi warf einen Blick auf den Vogel. «Der braucht ganz viel Pflege. Der ist noch klein. Da musst du ganz fest aufpassen.»

Sie gingen nach Hause zu Mami.
Mami hatte Mitleid mit dem kleinen Vogel, und gemeinsam bastelten sie eine Kiste, in welche Anna den Kleinen setzte. Anna überlegte, wie sie dem Vogel Wasser geben konnte; er fiebte nämlich laut und hatte offensichtlich Durst. Zum Selbertrinken war er einfach noch zu klein. Dann fiel ihr ein, dass sie einen Puppenschoppen in ihrem Zimmer hatte. Mit dem Schoppen gab sie der kleinen Krähe Wasser. Jetzt musste sie ihr noch etwas zu essen geben.
Mami brachte ihr ein kleines Stück rohes Fleisch.
«Kleine Krähen haben grossen Hunger. Du kannst ja noch ein paar Würmer für sie suchen.»
Anna fand ein paar Würmer im Garten und brachte sie dem Vogel.
Er schaute Anna mit seinen winzigen Kugelaugen an.
«Du brauchst einen Namen. Du heisst jetzt Fritzi.»

Am Abend hielten Mami und Papi mit Anna einen Familienrat ab.
Sie schauten Anna ernst an.
«Wenn du diesem Tier hilfst zu überleben, trägst du eine grosse Verantwortung. Dann musst du für das Junge sorgen. Du musst früh aufstehen und es füttern, wenn es Hunger hat. Denkst du, dass du das alles kannst?»
Anna nickte. Mami umarmte sie und sagte:
«Ich bin sehr stolz auf dich.»

Anna stand von nun an jeden Morgen früh auf und fütterte Fritzi. Wenn um elf Uhr die Schule fertig war, rannte sie nach Hause, fütterte Fritzi mit frischem Fleisch und gab ihm den Babyschoppen. Fritzi krächzte und krähte, wenn er Anna sah.
Jeden Tag wuchs er mehr. Nach einer Woche war er schon gross und hatte Federn, sodass Papi ihn in die Voliere neben ihrem Haus brachte. Dort hatten früher Opas Hühner gewohnt.
Fritzi hüpfte und flatterte in der Voliere herum – so, als würde er sich über sein neues Zuhause freuen. Papi und Anna brachten ihm noch ein paar Würmer. Sie schauten zu, wie er sie zerlegte und auffrass. Seit Neuestem konnte Fritzi selber trinken und brauchte den Schoppen nicht mehr.

Drei Wochen später bemerkte Anna, dass Fritzi ganz aufgeregt war. Auf den Apfelbäumen beim Haus hatten sich zwei Krähen niedergelassen und krächzten laut. Fritzi krächzte zurück, und die beiden erwachsenen Vögel flatterten wie wild.
Von da an liessen Papi und Anna die Türen der Voliere offen.
«Weisst du», hatte Papi gesagt, «jetzt ist Fritzi alt genug, dass er selber entscheiden kann, wo er wohnen will.»

Den nächsten Nachmittag – es war ein Mittwoch, und Anna musste nicht in die Schule – verbrachte Anna bei ihrem Freund Fritzi. Dieser hüpfte vor der Voliere herum und jagte Fliegen. Er war jetzt schon sehr gross, hatte glänzende schwarze Federn und prächtige Flügel. Als Anna ihn rief, kam er näher und blieb ein paar Schritte entfernt vor ihr stehen.

«Fritzi, ich hab dich so lieb. Aber wenn du jetzt zu deiner Familie gehen willst, darfst du das.»

Fritzi hüpfte ein wenig von Anna weg. Aus dem Apfelbaum erklang ein heiseres Krächzen. Fritzi hüpfte weiter. Dann breitete er seine Flügel aus und rannte, stiess sich ab und flog zum Baum. Auf einem Ast blieb er sitzen und schnatterte und krächzte.

Anna schaute zu, wie sich Fritzis Eltern neben ihr Kind auf den Ast setzten. Dann stand sie auf und sagte: «Ich werde dich nie vergessen, Fritzi.»

Diese Kindergeschichte erschien im Mai 2012 zum ersten Mal in der Reihe “Bettmümpfeli” der Schweizer Familie.

Die Beschämung meiner Mütter

Bestimmt kennen Sie das. Es gibt Bücher, die treffen Sie wie ein Schlag ins Gesicht, weil sie all jenen unausgesprochenen Gefühlen plötzlich Worte verleihen. Eines dieser Bücher ist für mich „Rabentöchter“ von Julia Onken. Schon der erste Satz des ersten Kapitels treibt mir immer wieder Tränen in die Augen:

„Mutter, ich trage Dich wie eine Wunde auf meiner Stirn.“

Die Autorin geht dabei der Beziehung zwischen Mutter und Tochter auf den Grund. Sie zeigt auf, warum diese Beziehung zwischen Liebe und Ablehnung schwankt. Ich meine, welche Frau kennt den Satz nicht: „Ich möchte nie wie meine Mutter sein“?

Auch ich kenne diesen Satz nur zu gut. Ich wollte nie wie meine Mutter sein.

Sie ging mir oft auf die Nerven. Während meiner Pubertät hasste ich sie sehr; ihr unsicheres Lächeln, ihre abgekauten Nägel, ihre peinlichen Witze. Ich hätte alles für eine andere Mutter gegeben.

Die Auseinandersetzung mit dem Sein und der Beschämung meiner Mutter begann eigentlich sehr früh. Ich kam als älteste Tochter, langersehnt, zur Welt. In meiner frühen Erinnerung, vielleicht sind es auch nur Eindrücke von verschwommenen Fotos, sitzen meine Mutter und ich auf dem Ast eines Baumes. Sie lächelt scheu. Meine Mutter ist eine wunderschöne Frau mit schwarzbraunen Haaren, dunklen Augen und dunklem Teint. Sie trägt ein rotweiss geblümtes Hemd, das ihren hochschwangeren Bauch verdeckt. Niemand hat damals wohl geahnt, dass es das letzte Bild sein wird, das sie als glückliche, gesunde, junge Frau zeigt.

Knapp zwei Jahre nach mir wurde mein kleiner Bruder geboren. Im Gegensatz zu mir war er kerngesund. Drei Tage nach seiner Geburt ist er tot.

Für meinen Vater war und ist es eine totale Katastrophe. Für meine Mutter war es ein weiterer Schritt in der Beschämung ihrer Weiblichkeit. Meine Mutter wurde als Teenager missbraucht. Ihr einziges Glück bei der Sache war wohl, dass sie damals noch nicht gebärfähig war. Wie sie diese Tat verarbeitet hat, weiss ich nicht. Sie hat nie darüber gesprochen. Erfahren habe ich die Geschichte von meiner Grossmutter und beim Auffinden von Briefen des Täters.

Einige Jahre später, sie heiratete mit 23, erlitt sie eine Fehlgeburt. Dies geschah vor meiner Geburt. Von Beginn ihrer Ehe weg versuchte sie, schwanger zu werden. Erst drei Jahre später gelang es ihr. Wie sehr muss sie der Tod meines Bruders getroffen haben.

Zu der ganzen Trauer um meinen Bruder kommt jedoch die Frage nach der Schuld: Die Ärzte damals machten es sich sehr leicht: Meine Mutter war in ihren Augen schuld, da sie während der Schwangerschaft geraucht hatte. Sie war von da an eine gebrochene Frau. Jedes Jahr um die gleiche Zeit, im September, einige Tage nach ihrem Geburtstag, versuchte sie sich umzubringen.

Wenn ich all das anschaue, bekomme ich ein anderes Bild von meiner Mutter. Ich sehe eine hochsensible, liebevolle und liebesfähige Frau, der das Leben den Mut und die Kraft genommen hat. Sie war verletzt, fühlte sich schuldig am Tode ihres Kindes. Sie muss sich nicht mehr liebenswert und nicht mehr weiblich, mütterlich gefühlt haben. Mir fiel nämlich auf, dass sie in der Zeit ihre langen, dunklen Haare abgeschnitten hatte, was eher unüblich war damals.

Die Trauer, diese unerträgliche „Schuld“ hat meine Mutter bis ans Ende ihrer Tage verfolgt. Nie konnte sie damit abschliessen, weil niemand sie davon befreien konnte.

Aber was kann ich tun?

Meine Mutter lebt nicht mehr. Sie starb vor bald sechs Jahren, 56jährig. Ich werde ihr nicht mehr sagen können, wie sehr ich sie geliebt habe, wie sehr sie mir fehlt. Ich werde ihr nicht mehr beistehen können während ihrer Trauer. Auch das Kind bringt niemand zurück. Die Möglichkeiten scheinen klein.

Nach der Auseinandersetzung mit „Rabentöchter“ beschloss ich, dass ich den Frauen meiner Familie auf die Spur gehe. Ich forschte in meinem Stammbaum und versuchte so, meinen Ahninnen einen Namen zu geben und wo möglich, herauszufinden, wie ihr Leben war. Wer sie waren.

Ich entdeckte Unglaubliches:

Die Linie der Beschämung, der „Schuld“, zieht sich generationenweise hin. Sie verloren ihre Kinder, wurden missbraucht, konnten keine Ausbildungen machen und waren arm. Ich entdeckte, dass meine Urgrossmutter ebenfalls ein Kind früh verloren hatte. Auch sie starb im selben Alter wie meine Mutter.

„Rabentöchter“ zeigt auf, wie Beschämungen, dunkle Familiengeheimnisse, weiter gegeben werden.
Vielleicht, wenn Sie selber den Versuch wagen, geht es Ihnen ähnlich wie mir und Sie entdecken plötzlich bis anhin unsichtbare Vorfahrinnen.

Ich für meinen Teil werde weiterforschen, um ihr Andenken so zu ehren und sie zu wertschätzen. Das bin ich meinen Müttern und vor allem mir selber schuldig.

Das richtige Leben, beinhart.

Ich freue mich jeweils sehr, wenn jemand von den Dingen, die ich sage, beeindruckt ist. Ich kann wohl sagen, dass dies im Fall meines Lieblingstrolls Andreas Gossweiler zutrifft. Er zitiert regelmässig die Titelzeile des Interviews, das ich vor bald einem halben Jahr der Ostschweiz am Sonntag gegeben habe. Heute benützte er ein Statement von mir sogar für einen einseitigen und vor Frustration triefenden Blogartikel übers Internet-Dating. Ich bin so geschmeichelt!

Das Internet ist für Menschen wie mich – ich bin sehr schüchtern und rede nicht gerne – die beste Erfindung, die ich mir vorstellen kann. Es erleichtert mir den Austausch mit anderen und gibt mir die Möglichkeit, meine Anliegen zu kommunizieren, was mir sonst nicht einfach so gelingt.

Andreas Gossweiler schreibt, dass Internet-Dating nicht funktioniert. Ich bin nicht seiner Meinung, denke, man muss da unterscheiden. Ich habe nie Online-Dating-Portale konsultiert, weil ich sie unsympathisch und unästhetisch finde. Es scheint mir nur logisch, dass Menschen sich nicht ineinander verlieben, nur weil sie gegenseitig ihre Daten sehen und dazu wichsen.

Ich bin jedoch überzeugt, dass Dienste wie Twitter dazu führen, dass sich Menschen mit der selben Einstellung, ähnlichen Idealen finden und miteinander kommunizieren. Wer miteinander kommuniziert, und sei es „nur“ schriftlich, kommt sich näher.

Nun bin ich ebenso überzeugt, dass viele Twitterer nicht in erster Linie aus Paarungssuchegründen schreiben, sondern weil sie einfach gerne kommunizieren. Insofern könnte man Twitter also als grosses Parkett sehen, wo die Tänzer darauf warten, dass jemand im selben Rhythmus anfängt zu tanzen.

Ich tue mich schwer mit dem Schliessen von Freundschaften. Warum das so ist, weiss ich nicht genau. Was ich aber weiss, ist, dass sehr viele Bekanntschaften, die ich auf Twitter schliesse, wertvoll für mich sind. Ich wage zu behaupten, dass aus dem Austausch von Gedanken, Gedichten, dem Führen politischer Diskussionen, dem Streiten, dem Vertrauen geben tatsächlich auch Freundschaften entstanden sind, die ich so nie geschenkt bekommen hätte.

Vielleicht wird der Satz „twitter ist wie das richtige Leben“ zu kurz gefasst, wenn er auf Online-Dating ausgelegt wird. Das Leben besteht doch aus sehr viel mehr als aus Flirten und sich paaren, oder Herr Gossweiler?

Väter bitte draussen bleiben!

Ich bin der Meinung, dass frau sich gegen Ungerechtigkeiten in der Sprache wehren sollte. In diesem Fall hier, den ich über Twitter von Beat Matter mitbekommen habe, hat’s mir dann heute morgen gehörig den Nuggi rausgeschlagen:

Da sollte man meinen, dass Väter, die mit ihren Kindern in die Badi gehen, längst keine Seltenheit mehr sind. Trotzdem heisst das Planschbecken für die Kleinsten Mutter-Kind-Becken, kurz Muki.

Die Ungerechtigkeit spielt auf beide Seiten: einerseits wird impliziert, dass nur Mütter ihre Kleinen betreuen können. Die Mutter lebe hoch! Schliesslich hat sie die Kinder geboren. Die Frau gehört hinter den Herd und ans Bett angebunden, am besten mit einem Halsband, nicht wahr, liebe CVP?

Hier werden die Väter sprachlich ausgeschlossen. Die sollten nämlich arbeiten und sich nicht um die Kinder kümmern.

Liebes Tägi-Bad, die Zeiten sind doch vorbei.
Aber der Aargau hat sich ja in Sachen Fortschritt noch nie besonders hervor getan…