Darum teste, wer sich vermehren mag

Liebe Mit-Frauen!

Wer unbedingt Kinder haben will, sollte, falls möglich, seinen Partner im Vorfeld testen, ob er wirklich den gewünschten Anforderungen genügt. Dies lässt sich leicht überprüfen.

1. Mag der zukünftige Vater deiner Kinder überhaupt Kinder? Falls du kein Kind zur Hand hast, kannst du zur Not auch den Kontakt zu deinem geliebten Haustier untersuchen. Wenn er mit dem Lebewesen nett umgeht, kann er auch kein schlechter Mensch sein.

2. Check seine Familie: Wie ist er aufgewachsen? Wie wurde er von seiner Familie behandelt? Und: wichtig für dich: wie geht er mit Frauen um?

3. Wie denkt er überhaupt über die Zukunft? Wenn er Dinge sagt wie: „Ich will mit dir einfach das Leben geniessen“ ist er ziemlich sicher nett und super, aber (noch) kein Vater-Typ. Vielleicht solltest du dann wirklich einfach „nur“ das Leben geniessen mit ihm.

4. Hilft er im Haushalt mit? Oder lässt er alles dich machen? Falls du die treibende Kraft bist, kannst du darauf vertrauen, dass er auch während (d)einer Schwangerschaft weiterhin das süsse Nichtstun pflegt und zusieht, wie du dich abmühst.

5. Arbeitet er gerne? Oder ist er ein fauler Sack? Oder noch schlimmer: ein Workoholic?? In diesem Fall kann ich dir nur raten, dass du dich sofort vom Acker machst.

6. Wenn er sein Einkommen versäuft, verhurt oder verspielt, solltest du die Finger von ihm lassen. Bad Boys sind wirklich nur dann cool, wenn sie von Alan Rickman gespielt werden. Und der ist tot.

7. Ist er verspielt? Liebt er Gesellschaftsspiele, Games, Mannschaftssport? Falls ja, ist das eine gute Vorausssetzung für Vaterschaft. Halt ihn dir warm. Und trag dir sofort den 14. März in deine Agenda ein.

8. Begleitet er dich an deine Familienanlässe und interessiert sich für deine Oma/deine Tanten usw. Und: kann er über deine Familie herzlich lachen?

9. Macht er schlechte Witze über lottrige Bäuche und hängende Brüste? Dann ist er wohl nicht für die Rolle “Vater” und erst recht nicht als “Mann” geeignet.

10. Setz dich damit auseinander, dass eure Leben sich irgendwann trennen. That’s life.

11. Magst du diesen Mann? Erträgst du den Typen überhaupt für die nächsten, sagen wir, zwanzig Jahre? Oder gehen dir seine Witze jetzt schon auf die Nerven?

 

 

 

Liebe Mit-Männer

ersetzt obenstehenden Text einfach mit Frau bzw. den betreffenden Geschlechtsorganen und fertig ist die Chose.

Und Bier. Das hilft immer.

Best wishes,
zora

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Über blonde Haare, Chicks und echte Männer

Ich hatte heute ein wirklich seltsames Zusammentreffen im Zug. Ich wurde Zeugin, wie zwei Jungs, sorry, aber mit 15 seid ihr wirklich noch Jungs, über ihre Eroberungen sprachen.

„Weisch, däre hanis so richtig bsorgt“ sagte der eine.
“Diä bruuchts au würklech mit ihrem grossä Arsch!”, lispelte der andere.
Ich kam mir mit einem Mal furchtbar alt und moralapostelinnenhaft vor. Der Gedanke, dass dieser prä-pickelige Junge pornographischen Sex mit seinem Schulgspänli hatte, schien mir jenseits von Gut und Böse. Ich wollte gerade ausholen und sagen:
„Früher war alles besser!“, als mir diese Worte wahrhaft im Halse stecken blieben.

Ich dachte an meine Schulzeit zurück. 1990 bis 1993. Die schlimmsten Jahre meines Lebens. Damals gab es keine „chicks“, sondern „Girls“. Die bevorzugten Objekte der wirklich coolen Jungs waren Blondinen mit blauen Augen. Ich war weder blond noch blauäugig, sondern dunkelblond mit raspelkurzem Haar. Ich hatte Glück. Ich blieb von jedwelchen pubertären Annäherungsversuchen verschont, was ich damals aber nicht so toll fand.

Ich begriff schnell, dass frau 1990 dann attraktiv auf männliche Wesen wirkte, wenn sie Blümchenkleider, Stiefel und blonde Locken trug. Literarische Ambitionen, cinematographisches Spezialwissen sowie ein Faible für ägyptische Archäologie waren in Sachen erotischer Anziehungskraft definitiv nicht gefragt.

Ich erinnere mich noch an die Gespräche, die die coolen Girls nach dem Turnunterricht unter der Dusche führten.
„Weisch, dä hät gar kei Ahnig gha, wiä ä Frau wiä ich funktioniert. Mann, hät dä sich gschämt.“
“Jo, gell. Und dä M. hät viel dä grösser!”
“Jo. Dä isch au cool.”

Es scheint heute nicht anders. Mädchen und junge Frauen, die gemäss Zeitgeist als attraktiv wirken, sind Freiwild. Die Jungs sind nicht anders als vor 20 Jahren. Sie machen einen auf gross. Das macht aber offensichtlich nur wenig Eindruck auf die Frauen. Tschäggsches?

Es geht mir auf die Eierstöcke.

Die letzten Wochen höre ich mehrheitlich von Männern, dass sie nicht (mehr) bereit sind, für Abtreibungen zu bezahlen. Als erstes Argument kramen sie das ehrwürdige „Recht auf Leben“ hervor. Damit stoppt man(n) doch jede kritische Frau! Da werden das Recht auf Leben und besonders die ungeborenen Kinder, hervor gehoben!

In Diskussionen wird schnell klar, dass den meisten Männern der Sinn fürs ungeborene Leben, es sei denn, sie haben ein Kind verloren, fehlt. Wenn ich dann mir wohlbekannte Beispiele, nämlich jene der Ärzte aufzähle, die Müttern mit Risikoschwangerschaften oder Embryonen, die mit einer Behinderung auf die Welt kommen werden, zur Abtreibung raten, werden die Männer ungeduldig. Das sei natürlich eine ganz andere Sache. Hier gehe es um wertes und um leidendes Leben… Für die meisten Männer scheint klar, dass frau behindertes Leben unbedingt und auf Kosten aller abtreiben darf.

Männer, die gegen Abtreibung sind, besitzen offenbar ein sehr einfaches Bild von Frauen, die ein Kind abtreiben: Sie ist natürlich eine Schlampe/Dreckfotze/Bitch, die einfach nur zu blöd ist, zu verhüten, bzw. Angst hat, dass sie Schwangerschaftsstreifen und/oder einen schlimmen Dammriss kriegt. Dass eine Frau sich Gedanken macht um etwaige Kinder und was sie ihnen bieten kann oder eben nicht, scheint die meisten Männer nicht zu berühren.

Hier kommen wir zur wahren Botschaft der Initiative. Hier geht’s nicht um Finanzen, sondern darum, die Schwangerschaften der Frauen zu kontrollieren und (wieder) zu verdammen. Dass zu einer Schwangerschaft zwei gehören, verdrängen die konservativen und die religiösen Kreise.

Für sie gibt es offenbar nur eines: die heilige (Maria Muttergottes) und die Hure. Nun denn…

Das verfluchte Pillendings

Ich gehöre zu jenen Frauen, die quasi mit der Pille aufgewachsen sind. Eigentlich. Faktisch habe ich sie nie genommen. Das hatte verschiedene Gründe.

In den 90ern war ich einer jener bedauernswerten Teenager, die an schwerer Akne litten. Sogar mein Vater, wahrlich kein Freigeist, hat mir damals, ich war 17, von den Vorzügen der Pille vorgeschwärmt. Mir war das damals egal. Ich hatte keinen Freund und sah nicht ein, warum ich auch noch die Pille schlucken sollte, wenn es keinen Grund (Verhütung!!) gab.

Mit Mitte 20, ich arbeitete längst in meinem jetzigen Beruf (und sehr unregelmässig), lebte ich in einer Partnerschaft. Ich wusste, dass ich für die Pille zu chaotisch war und entschied, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt war, ein Kind zu bekommen. Nach langem Hin und Her mit meiner damaligen Gynäkologin liess ich mir die Drei-Monats-Spritze verschreiben. Im Rückblick war das der grösste Fehler meines Lebens.

Mein Hormonhaushalt geriet total durcheinander und ich wurde – trotz Spritze – schwanger. Allerdings verlor ich, begleitet von starken Blutungen, den Embryo wenige Wochen später und wurde nun wirklich krank.

Meine Kritik an den Verhütungspraktiken gewisser GynäkologInnen ist eine andere. Ich habe es am eigenen Leib erlebt, dass die meisten ÄrztInnen davon ausgehen, sie müssten unbedingt etwas verschreiben. Ich habe es, ausser bei meiner jetzigen Gynäkologin, nicht erlebt, dass eine sorgfältige Abwägung der Risiken bzw. eine anständige Anamnese gemacht wurde. In meinem Fall führte das während mehreren Jahren zu starken Hormonschwankungen, einem Eierstocktumor und damit meiner jetzigen Unfähigkeit ein Kind auszutragen, sowie zu starken Nebenwirkungen jeglicher Ausprägung.

Sehr viel schlimmer als diese Nebenwirkungen empfand ich allerdings ich die psychischen Belastungen. Sehr verletzt haben mich Gespräche mit meinen damaligen Frauenärztinnen, von denen keine konstruktiven Vorschläge, sondern im Gegenteil Vorwürfe kamen. Mehr als einmal durfte ich mir anhören, dass ich einfach „die falsche Haltung zum Thema hormonelle Verhütung“ hätte. Eine Ärztin hat mir sogar nach meiner Fehlgeburt an den Kopf geschmissen, was ich mir als Frau in meinem Alter dabei denke, nicht einmal „anständig“ zu verhüten.

Nach so vielen Jahren stelle ich mir immer wieder dieselbe Frage: Warum bleibt die hormonelle Verhütung alleine an uns Frauen hängen? Warum gibt es keine Präparate für Männer? (In einem Gespräch mit einem Mann hat der mir zur Antwort gegeben: „Spinnst du? Ich schluck doch keine Chemie!!“)

Der Fall ist klar. Die Verhütung bleibt an uns Frauen hängen, egal ob wir krank werden oder nicht. Wenn wir verhüten und die Medikation nicht vertragen, werden wir als „zickig“ bezeichnet. Wenn wir nicht verhüten und schwanger werden, betiteln uns gewisse Männer als „ausnutzend“. In diesem Punkt hat die Emanzipation viel und gleichzeitig wenig bewegt. Gewonnen hat nur die Pharmaindustrie und das nicht wenig.

Die ewige Formel eins oder die verdammte Jungfräulichkeit

Die Sache mit der Jungfräulichkeit ist nichts, was nur fremde Völker betrifft.
Ich kann mich dunkel erinnern, dass eine Freundin meiner Mutter mir mit zwölf davon abriet,Tampons zu benutzen, da mein Hymen in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.
Ich würde es spätestens bei meiner Hochzeit bitter bereuen. Das war 1989.

Hat sich seither viel verändert?
Man könnte meinen, ja.
Ich bekomme mit, dass die jungen Frauen von heute sich nicht mehr rechtfertigen müssen, dass und mit wem sie schlafen. Das ist gut.

Dennoch ist die allgegenwärtige Lustfeindlichkeit, eine Gegenbewegung zur Pornowelle, in aller Munde. Junge Menschen sollen keusch leben. Keine Zigis, kein Alk, kein Sex.
Das Gegenteil ist der Fall. Man kann nur übertreten und verletzen, was verboten scheint.

Noch immer verstehe ich den Grund des Jungfräulichkeitskults nicht. Was bitte ist denn so anziehend an einer jungen Frau, die von nichts eine Ahnung hat? Die keine Erfahrung hat?
Ist das Festhalten an der Jungfräulichkeit einer Frau nicht einfach nur dumm und ein Ausdruck der Möchtegern-männlichen Macht?

Es ist besitzergreifend. Ein Zeichen von Schwäche. Ein Mann dieser Sorte mag denken: ich bin der einzige, den sie je haben wird, je haben darf. Alles andere geht gar nicht.

Natürlich ist es gar kein Thema, dass diese Art von Männern wild rumvögelt. Ohne Pardon. Frauen sind für sie nicht mehr als ein, vielleicht auch zwei williges Loch zwischen den Beinen.

Ich persönlich finde, dass frau ihre Erfahrungen vor der Ehe machen sollte. Wenn sie denn schon heiraten will, dann doch wenigstens jemanden, der sowohl intellektuell als auch sexuell zu ihr passt. Alles andere ist anstrengend.

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Beschimpfe mich oder ich blute!

Bei der ganzen Diskussion um jenen SVP-Stadtpräsidenten aus La Chaux-de-Fonds ging mir eine Sache nicht aus dem Kopf:

Kann man(n) eine Frau beschimpfen, indem man sie fragt, ob sie ihre Tage hat?

Ich denke, nein. Schliesslich ist die Menstruation eine natürliche Sache. Es gibt keinen Grund, dass sich frau deswegen heute dafür schämt.

Aber nun ja, in unserem Kulturkreis ist die Menstruation ein Tabuthema.
Die Frauen gelten als unrein, was bestimmt auch an der jüdisch-christlichen Religion liegt.
„Der Herr sprach zu Moses: Schläft ein Mann bei einer menstruierenden Frau, so sollen beide aus dem Volk ausgerottet sein.“

Es ist ja kein Wunder, dass so besonders Männer Mühe mit dem weiblichen Blut bekunden. Wer will schon wegen Blut aus der Fussballmannschaft geschmissen werden.

Seltsamerweise haben andere Völker, zum Beispiel die Tukano, einen anderen Umgang damit. Männer ahmen da die weibliche Blutung nach und ritzen sich den Penis, die Nase, die Zunge, Finger oder den Arm auf, damit auch sie bluten. Eine Art „Gebär- und Menstruationsneid“?

Das Buch von Gabriele Pröll mit dem leider etwas esoterischen Titel „Das Geheimnis der Menstruation“ gibt Aufschluss darüber, dass die Menstruation aber nicht einfach nur ekelig und gruusig ist.

Das ändert aber noch nichts daran, dass hierzulande besonders Männer, wenn sie eine Frau so richtig fertig machen wollen, sagen:
„Spinnsch, häsch s’Züüg?“

oder

„Chunnsch bald dini Täg über?“

Natürlich finde auch ich es unverschämt, wenn mir das so ein mittelalterlicher Schnösel an den Kopf knallen würde. Aber es wäre doch spannend, wenn wir Frauen in Zukunft auf einen solch machohaft-dummen Spruch antworten könnten:

„Ja? Wollen Sie zusehen?“

oder

„Ja, brauchen Sie noch Dünger für Ihre Orchideen?“

oder

„Nein. Wollen Sie darüber gerne mehr wissen? Ich hätte da noch einen Prospekt über Menstruationstassen in meiner Handtasche.“

weitere kreative Totschläger-Antworten sind willkommen!

(k)ein Witz zum Schluss:

„Warum trauen Männer Frauen nicht?“
„Weiss nicht.“
„Männer trauen nichts, was jeden Monat fünf Tage blutet und trotzdem nicht stirbt.“

Das richtige Leben, beinhart.

Ich freue mich jeweils sehr, wenn jemand von den Dingen, die ich sage, beeindruckt ist. Ich kann wohl sagen, dass dies im Fall meines Lieblingstrolls Andreas Gossweiler zutrifft. Er zitiert regelmässig die Titelzeile des Interviews, das ich vor bald einem halben Jahr der Ostschweiz am Sonntag gegeben habe. Heute benützte er ein Statement von mir sogar für einen einseitigen und vor Frustration triefenden Blogartikel übers Internet-Dating. Ich bin so geschmeichelt!

Das Internet ist für Menschen wie mich – ich bin sehr schüchtern und rede nicht gerne – die beste Erfindung, die ich mir vorstellen kann. Es erleichtert mir den Austausch mit anderen und gibt mir die Möglichkeit, meine Anliegen zu kommunizieren, was mir sonst nicht einfach so gelingt.

Andreas Gossweiler schreibt, dass Internet-Dating nicht funktioniert. Ich bin nicht seiner Meinung, denke, man muss da unterscheiden. Ich habe nie Online-Dating-Portale konsultiert, weil ich sie unsympathisch und unästhetisch finde. Es scheint mir nur logisch, dass Menschen sich nicht ineinander verlieben, nur weil sie gegenseitig ihre Daten sehen und dazu wichsen.

Ich bin jedoch überzeugt, dass Dienste wie Twitter dazu führen, dass sich Menschen mit der selben Einstellung, ähnlichen Idealen finden und miteinander kommunizieren. Wer miteinander kommuniziert, und sei es „nur“ schriftlich, kommt sich näher.

Nun bin ich ebenso überzeugt, dass viele Twitterer nicht in erster Linie aus Paarungssuchegründen schreiben, sondern weil sie einfach gerne kommunizieren. Insofern könnte man Twitter also als grosses Parkett sehen, wo die Tänzer darauf warten, dass jemand im selben Rhythmus anfängt zu tanzen.

Ich tue mich schwer mit dem Schliessen von Freundschaften. Warum das so ist, weiss ich nicht genau. Was ich aber weiss, ist, dass sehr viele Bekanntschaften, die ich auf Twitter schliesse, wertvoll für mich sind. Ich wage zu behaupten, dass aus dem Austausch von Gedanken, Gedichten, dem Führen politischer Diskussionen, dem Streiten, dem Vertrauen geben tatsächlich auch Freundschaften entstanden sind, die ich so nie geschenkt bekommen hätte.

Vielleicht wird der Satz „twitter ist wie das richtige Leben“ zu kurz gefasst, wenn er auf Online-Dating ausgelegt wird. Das Leben besteht doch aus sehr viel mehr als aus Flirten und sich paaren, oder Herr Gossweiler?