Die einzig wahre Mutter

Manchmal frage ich mich schon, was in gewisse „Journalisten“ gefahren ist, dass sie solche Fragen stellen wie Michèle Binswanger sie in ihrem Text über Steffi Buchli beschreibt. Kriegt man im Journalistik-Studium „abschätziges Fragen“ geprüft? Gibts da extra Lehrmittel dafür, wie man(n) einer Frau Scheiss-Fragen stellt?

Ich weiss natürlich schon, dass der Blick für gewisse Menschen in diesem Land eine Art helveto-feministisches Kampfblatt mit bunten Bildern darstellt. Schwangerschaftspfunde sind ja schliesslich auch ein Thema, das Gross und Klein interessiert, gleich neben Bauchstraffungen und Vaginalkorrekturen. Ich frage mich, warum Blick-Journalisten frisch gebackene Vater nie ähnlich geistreich Dinge wie diese hier fragen: „Sagen Sie, tut Ihnen der Penis immer noch weh von der Fickerei mit Ihrer Frau?“ oder „Haben Sie sich bei der Geburt übergeben? Sie sind doch sonst so sensibel?“ Nee, sowas würde man(n) aus lauter Anstand ne fragen.

Ein weiteres Mysterium in der heutigen Zeit sind die Kommentarspalten gewisser Zeitungen. Man könnte meinen, die Autorinnen jener hasserfüllten Statements gegen Steffi Buchli seien Anwärterinnen für die Verleihung des Mutterordens.

Was treibt Frauen (Mütter!) dazu, über einen fremden Menschen so zu urteilen? Steckt da die unterschwellige Angst dahinter, selber eine schlechte Mutter zu sein, weil frau die eigenen Bedürfnisse eventuell doch ernst nimmt? Hat jemals ein Kerl zu seiner Frau nach so einem Kommentar gesagt: „Wow, Cindy, du bist die beste Mutter von allen und du kannst auch noch lesen und schreiben! Ich mach dir gleich noch ein Kind!“
Wohl eher nicht.

Also, Schwestern: warum macht ihr das?

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Darum teste, wer sich vermehren mag

Liebe Mit-Frauen!

Wer unbedingt Kinder haben will, sollte, falls möglich, seinen Partner im Vorfeld testen, ob er wirklich den gewünschten Anforderungen genügt. Dies lässt sich leicht überprüfen.

1. Mag der zukünftige Vater deiner Kinder überhaupt Kinder? Falls du kein Kind zur Hand hast, kannst du zur Not auch den Kontakt zu deinem geliebten Haustier untersuchen. Wenn er mit dem Lebewesen nett umgeht, kann er auch kein schlechter Mensch sein.

2. Check seine Familie: Wie ist er aufgewachsen? Wie wurde er von seiner Familie behandelt? Und: wichtig für dich: wie geht er mit Frauen um?

3. Wie denkt er überhaupt über die Zukunft? Wenn er Dinge sagt wie: „Ich will mit dir einfach das Leben geniessen“ ist er ziemlich sicher nett und super, aber (noch) kein Vater-Typ. Vielleicht solltest du dann wirklich einfach „nur“ das Leben geniessen mit ihm.

4. Hilft er im Haushalt mit? Oder lässt er alles dich machen? Falls du die treibende Kraft bist, kannst du darauf vertrauen, dass er auch während (d)einer Schwangerschaft weiterhin das süsse Nichtstun pflegt und zusieht, wie du dich abmühst.

5. Arbeitet er gerne? Oder ist er ein fauler Sack? Oder noch schlimmer: ein Workoholic?? In diesem Fall kann ich dir nur raten, dass du dich sofort vom Acker machst.

6. Wenn er sein Einkommen versäuft, verhurt oder verspielt, solltest du die Finger von ihm lassen. Bad Boys sind wirklich nur dann cool, wenn sie von Alan Rickman gespielt werden. Und der ist tot.

7. Ist er verspielt? Liebt er Gesellschaftsspiele, Games, Mannschaftssport? Falls ja, ist das eine gute Vorausssetzung für Vaterschaft. Halt ihn dir warm. Und trag dir sofort den 14. März in deine Agenda ein.

8. Begleitet er dich an deine Familienanlässe und interessiert sich für deine Oma/deine Tanten usw. Und: kann er über deine Familie herzlich lachen?

9. Macht er schlechte Witze über lottrige Bäuche und hängende Brüste? Dann ist er wohl nicht für die Rolle “Vater” und erst recht nicht als “Mann” geeignet.

10. Setz dich damit auseinander, dass eure Leben sich irgendwann trennen. That’s life.

11. Magst du diesen Mann? Erträgst du den Typen überhaupt für die nächsten, sagen wir, zwanzig Jahre? Oder gehen dir seine Witze jetzt schon auf die Nerven?

 

 

 

Liebe Mit-Männer

ersetzt obenstehenden Text einfach mit Frau bzw. den betreffenden Geschlechtsorganen und fertig ist die Chose.

Und Bier. Das hilft immer.

Best wishes,
zora

Sei (k)eine Mutter!

Manchmal frage ich mich, warum das so ist, dass ganz normale Menschen, sobald es um Elternschaft und Kinder geht, zu unhöflichen Idioten werden. Es ist nämlich so, dass Menschen, die kürzlich zu Eltern wurden, sich manchmal vom Schicksal dazu berufen fühlen, kinderlosen Menschen, besonders Frauen, die Sinnlosigkeit ihres traurigen Daseins aufzuzeigen. Nun, liebe Eltern, ich möchte euch, gerade nach dem Genuss des NZZ-Artikels folgendes mitteilen:

„Keine Kinder zu haben, ist unsozial! Wer bezahlt denn mal deine Rente? Meine Kinder??“

Es ist nicht so, dass mein (kinderloses) Leben sinnlos ist. Bevor ihr beide euch entschieden habt, ein Kind zu zeugen, habe ich zwei Angehörige gepflegt. Das ist zwar nicht wie Kinder kriegen, eher das Gegenteil, aber ebenfalls ein sozialer Akt, von den entstandenen Kosten, die ich trug anstatt der Gesellschaft, gar nicht zu sprechen.

„Ohne Kind ist eine Frau doch gar keine richtige Frau!“

Ich fühle mich sehr wohl als kinderlose Frau, denn ich besitze den Körper einer Frau. Ich habe Brüste, eine Vagina und Eierstöcke. Zwar ist mein Körper nicht von einer Geburt gedehnt und ich habe auch nie einen Dammbruch erlitten, aber damit kann ich gezwungenermassen leben. Ich trage Röcke, zahle eine höhere Krankenkasseprämie als ein Mann, menstruiere regelmässig und mag Filme mit Meg Ryan.

„Du weisst nicht, was du verpasst.“

Ich fühle mich Freundinnen, deren Kindern, Freunden und deren Familien verpflichtet. Ich bin oftmals froh, dass ich mich um meine Angelegenheiten kümmern kann und nicht noch ein Kind zu erziehen habe.

„Wenn man ein eigenes Kind hat, liebt man es einfach.“

Wer sagt, dass man sein eigenes Kind einfach so liebt, lügt. Es ist eine Illusion, dass dies immer so ist. Wer beispielsweise Gewalt und/ oder Missbrauch erlebt hat, wird sich eventuell genau deswegen gegen Kinder entscheiden, weil er eigene Erlebnisse nicht nochmals erleben will und einem Kind das eigene Vorleben nicht zumuten will. Ich persönlich habe mich für eine Katze entschieden, die ich liebe und die ich bis zu ihrem Tod verknuddeln werde. Das ist keine schlechte Wahl.

„Dingdong, deine biologische Uhr tickt!!“

Den Spruch habe ich Weihnachten 2008 gehört. Ich hatte kurze Zeit zuvor eine Unterleibs-OP und litt noch immer unter Schmerzen. Ich hatte mich frisch getrennt. Der dumme Satz schmerzte mich. Denn anstatt die Augen zu schliessen und still und schamvoll in mich hinein zu weinen, hätte ich den Urheber dieses Satzes am liebsten an den Hoden gepackt und angeschrien: „Hier tickt nichts mehr, du unsensibles, dummes Arschloch!“

Beste Grüsse
zora

Ich bin müde.

Ich bin müde.
Es ist erst anfangs September und ich mag die Wahlkampf-Dreckeleien in Zeitungen und sozialen Medien jetzt schon nicht mehr lesen.

Ich bin müde, überhebliches Triumphieren über gelöschte, peinliche Facebook-Accounts zu lesen. Es ermüdet mich, wenn ich lese, wer wen Scheisse, für rassistisch oder einen Gutmenschen hält. Es interessiert mich ganz einfach nicht.

Ich stelle den Fernseher an und sehe Menschen in Zügen, in Booten oder in Lastwagenwaggons. Ich sehe tote Kinder, tote Männer, tote Frauen.

Ich lese davon, dass unser Land von Flüchtlingen überflutet wird.
Hier, wo ich gerade sitze, sehe ich keinen einzigen.
Ich sehe nur zufriedene, ältere Menschen.

Ich habe Glück, denke ich.
Ich habe einen Job. Einen Mann. Eine Katze. Ein Dach über dem Kopf.
Dann lese ich darüber, dass jeder selbstverantwortlich handeln soll.
Flüchtlinge kann man nicht dem Staat abdelegieren, heisst es.
Ich frage mich, was einen Staat ausmacht.
Sind es nicht die Menschen, die darin leben?

Ich setze mich hin und schreibe meiner Gemeinde.
Biete meine Hilfe an. Möchte wissen, ob und wieviele Flüchtlinge wir aufnehmen werden.

Ich will mir selber ein Bild machen und mich nicht auf
Politiker verlassen, die keine Ahnung von meinem Leben haben.
Ich mag nicht dumm herumsitzen und warten,
bis ich noch müder werde.

Das Märchen vom schlaflosen König

Es war einmal ein König, der hatte sein halbes Leben Krieg geführt. Sein Körper war voller Narben, die er sich in vielen Kämpfen zugezogen hatte. Doch noch viel schlimmer als die Narben auf der Haut waren jene Verwundungen seiner Seele. Die konnte niemand sehen, denn er war ein sehr starker Mann.

Doch nachts konnte er nicht mehr schlafen. Er litt unter Albträumen. Jede Nacht von neuem ging sein Kampf weiter. Der König war tagsüber grantig. Die Königin war längst ihres Weges gezogen. Doch der König hatte noch eine Tochter. Sie war sein einziges Kind. Jahrelang hatte er sich gegrämt, dass er keinen Sohn hatte. Das hatte er seine Tochter immer spüren lassen.

Seine Tochter war ein tapferes Mädchen. Sie, die Prinzessin, machte sich Sorgen um ihren Vater. Sie hatte sehr wohl bemerkt, wie sehr ihr Vater litt. Niemand am Hofe wusste Rat und konnte ihm helfen. Eines Morgen erwachte sie. Ein Vogel, es war eine Bachstelze, klopfte mit dem Schnabel an ihr Fenster. Die Prinzessin stand auf und öffnete das Fenster.

„Zi-lipp! Zi-lipp! Wenn du dem König helfen willst, verlass das Schloss und mach dich auf die Suche nach dem gelben Haus im grossen Wald! Zi-lipp! Zi-lipp!“
Die Prinzessin blickte den kleinen, grau-schwarzen Vogel überrascht an.
„Danke für deine Hilfe, kleiner Freund!“
Die Bachstelze jedoch klaubte mit dem Schnabel nach einem Käfer auf dem Fensterbrett und flog wieder davon.

Da schlich sich die Prinzessin leise davon.
Sie entkam aus dem Schloss, ohne dass die Wachen sie entdeckten. Der grosse Wald lag dunkel vor ihr. Doch sie hatte keine Angst. Sie war beseelt von dem Wunsch, ihrem Vater, dem König zu helfen.

Nach vielen Stunden erblickte sie das gelbe Haus. Es stand mitten im Wald und leuchtete dennoch. Eine alte Frau trat aus der Türe. Sie hiess das Mädchen willkommen. Die Prinzessin, die noch immer ein edles Kleid trug, das jedoch mittlerweile staubig geworden war, betrat das Haus. In der Küche bot ihr die Frau eine Tasse Tee an.

„Nimm ruhig, Kind. Die Blüten dieses Tees haben mir meine Freunde, die Vögel geschenkt.“
Die Prinzessin nahm einen Schluck. Der Tee schmeckte aussergewöhnlich.
„Was willst du hier, Kind?“, fragte die Frau.
„Ich suche Heilung für meinen Vater. Er kann nicht mehr schlafen.“
Die alte Frau blickte sie wissend an. Sie schloss die Augen und flüsterte:
„Dein Vater ist ein starker Mann. Doch im Schlaf ist auch er ein Mensch wie jeder andere auch.“
Die Prinzessin nickte.
„Du kannst ihm aber helfen. Geh in den Wald und warte. Das erste Tier, das deinen Weg kreuzt, wird dich bei diesem Plan unterstützen.“
Die alte Frau gab der Prinzessin ein neues Kleid. Es war sehr einfach, aber sauber.

So ging die Prinzessin in den Wald. Sie marschierte und langsam wurde es dunkel. Mit einem Mal hörte sie ein sanftes Gurren. Sie ging dem Geräusch nach und stiess auf eine kleine Krähe. Sie schien verlassen. Die Prinzessin ging auf die Knie und nahm den Vogel in ihre Hände.
Die kleine Krähe schien keine Angst zu haben. Gemeinsam kehrten sie zurück zum Haus der alten Frau.

Diese schien nicht erstaunt, dass die Prinzessin eine Krähe gefunden hatte. Sie fütterte den kleinen Vogel mit einigen Würmern.
„Nun, mein Kind, kannst du dich aufmachen zu deinem Vater. Aber ich bitte dich, kehr hierher zurück. Ich versichere dir, dass dein Vater dann wieder vollends gesundet.“
Die Prinzessin versprach ihr das und kehrte mit der Krähe zurück ins Schloss ihres Vaters.

Ihr Vater war erzürnt, dass seine Tochter sein Schloss verlassen hatte. Er drohte ihr, er würde ihr nun einen passenden Gemahl suchen. Die Prinzessin jedoch zeigte der Krähe das Gemach des Vaters. Das Tier suchte sich rasch einen Platz. Sie verabschiedete sich unter Tränen von der Krähe und verliess das Schloss wieder.

Sie kehrte zurück in das gelbe Haus im dunklen Wald. Dort übernahm sie den Platz der alten Frau, die in Wirklichkeit eine verzauberte Hexe war. Durch das Befolgen des Rats der Alten hatte die Prinzessin den Zauber gebrochen und wurde nun zur Besitzerin des Hauses und des Waldes. Die Hexe ging ihres Weges und ward nie mehr gesehen.

Der König aber konnte nun schlafen, denn wie jeder weiss, vertreibt die Krähe jegliche Dämonen, Albträume und schlechte Gedanken. Und so lebten sie alle glücklich bis an ihr Ende.

Wider die Gewalt und die verharmlosende Sprache

Ich möchte nicht, dass jemand mein Kind anfasst, schlägt, es vergewaltigt oder tötet. Wer sowas “unsittliches Berühren” nennt, muss ein Herz aus Stein und nichts im Hirn haben. Das Leben und die Würde eines Menschen sollen unantastbar sein.

Ich möchte nicht, dass jemand meinen Mann oder meine Frau prügelt, vergewaltigt oder foltert. Ich habe Angst davor, dass jemand meinem Liebsten ein solches Leid antun könnte, nur weil jemandem die Nase nicht passt oder er die falsche Hautfarbe hat.

Die Vorstellung, dass jemand meine hochbetagte Oma schlägt, nur weil sie demenzkrank ist und nicht mehr schnell reagiert, ist unerträglich. Kein Mensch hat das Recht, einen alten Menschen zu misshandeln.

Die Vorstellung, dass Menschen einen behinderten Menschen missbrauchen, quälen und vergewaltigen, widert mich an. Doch leider ist es eine Realität.

Ich will nicht, dass jemand meine Tiere aus lauter Lust am Quälen und Misshandeln tötet, ihnen wehtut und dabei auch noch Freude empfindet. Doch Tiere sind in der Schweiz nicht mehr wert als das Fleisch, das man verwerten könnte.

Ich will nicht, dass mir jemand auflauert, mich schlägt, misshandelt, vergewaltigt und tötet, nur weil ihm langweilig ist oder er eine schwere Kindheit hatte.

Das Recht auf Unversehrtheit besteht. Aber in der Realität ist dieses Recht nichts wert. In der Schweiz können Männer nicht vergewaltigt werden und Opfer jeglichen Geschlechts müssen beweisen, dass man ihnen ein Unrecht angetan hat. Juristen hinterfragen dies nicht. Sie tun Dienst nach Vorschrift. Und Journalisten, die Artikel über Gewaltakte verfassen, sind entweder zu faul oder zu dumm, um klare Worte zu finden. Und so wird der Mord an zwei Menschen mit einem Mal zum “Beziehungsdrama”.

Das ist krank.

Sind Narben böse?

Ich habe heute einen Artikel im Tagi online gelesen und mich geärgert. Ist es wirklich so, dass die allgemeine Meinung herrscht, Jungs dürften keine Narben (mehr) haben?

Jungs, die Narben haben, sind also Helden. Weil: Männer kämpfen mit Dinosauriern, Drachen und anderen Untieren und werden dabei verletzt. Das darf man dann auch sehen.

Was ist mit Mädchen?
Dürfen Frauen und Mädchen Narben tragen?

Ist es nicht in der heutigen Zeit eine unsägliche Provokation, am ansonsten perfekten Körper eine wulstige Narbe (oder sogar zwei!) zu haben? Ist eine vernarbte Frau auch eine Heldin? Oder ist sie einfach nur eine Frau, die zu wenig Geld hat, um sich unerwünschte Rückstände auf ihrer Haut wegzumachen?

Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht.
Mir geht diese Diskussion auf die Nerven. Das Leben hinterlässt nun mal Narben. Die einen sind sichtbar, die anderen unsichtbar. Es ist keine Schande, eine verheilte Wunde zu tragen.

 

 

Disclaimer: Die Autorin trägt zwanzig Narben an ihrem Körper und hat kein ästhetisches Problem damit.