Ich bin müde.

Ich bin müde.
Es ist erst anfangs September und ich mag die Wahlkampf-Dreckeleien in Zeitungen und sozialen Medien jetzt schon nicht mehr lesen.

Ich bin müde, überhebliches Triumphieren über gelöschte, peinliche Facebook-Accounts zu lesen. Es ermüdet mich, wenn ich lese, wer wen Scheisse, für rassistisch oder einen Gutmenschen hält. Es interessiert mich ganz einfach nicht.

Ich stelle den Fernseher an und sehe Menschen in Zügen, in Booten oder in Lastwagenwaggons. Ich sehe tote Kinder, tote Männer, tote Frauen.

Ich lese davon, dass unser Land von Flüchtlingen überflutet wird.
Hier, wo ich gerade sitze, sehe ich keinen einzigen.
Ich sehe nur zufriedene, ältere Menschen.

Ich habe Glück, denke ich.
Ich habe einen Job. Einen Mann. Eine Katze. Ein Dach über dem Kopf.
Dann lese ich darüber, dass jeder selbstverantwortlich handeln soll.
Flüchtlinge kann man nicht dem Staat abdelegieren, heisst es.
Ich frage mich, was einen Staat ausmacht.
Sind es nicht die Menschen, die darin leben?

Ich setze mich hin und schreibe meiner Gemeinde.
Biete meine Hilfe an. Möchte wissen, ob und wieviele Flüchtlinge wir aufnehmen werden.

Ich will mir selber ein Bild machen und mich nicht auf
Politiker verlassen, die keine Ahnung von meinem Leben haben.
Ich mag nicht dumm herumsitzen und warten,
bis ich noch müder werde.

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