Über blonde Haare, Chicks und echte Männer

Ich hatte heute ein wirklich seltsames Zusammentreffen im Zug. Ich wurde Zeugin, wie zwei Jungs, sorry, aber mit 15 seid ihr wirklich noch Jungs, über ihre Eroberungen sprachen.

„Weisch, däre hanis so richtig bsorgt“ sagte der eine.
“Diä bruuchts au würklech mit ihrem grossä Arsch!”, lispelte der andere.
Ich kam mir mit einem Mal furchtbar alt und moralapostelinnenhaft vor. Der Gedanke, dass dieser prä-pickelige Junge pornographischen Sex mit seinem Schulgspänli hatte, schien mir jenseits von Gut und Böse. Ich wollte gerade ausholen und sagen:
„Früher war alles besser!“, als mir diese Worte wahrhaft im Halse stecken blieben.

Ich dachte an meine Schulzeit zurück. 1990 bis 1993. Die schlimmsten Jahre meines Lebens. Damals gab es keine „chicks“, sondern „Girls“. Die bevorzugten Objekte der wirklich coolen Jungs waren Blondinen mit blauen Augen. Ich war weder blond noch blauäugig, sondern dunkelblond mit raspelkurzem Haar. Ich hatte Glück. Ich blieb von jedwelchen pubertären Annäherungsversuchen verschont, was ich damals aber nicht so toll fand.

Ich begriff schnell, dass frau 1990 dann attraktiv auf männliche Wesen wirkte, wenn sie Blümchenkleider, Stiefel und blonde Locken trug. Literarische Ambitionen, cinematographisches Spezialwissen sowie ein Faible für ägyptische Archäologie waren in Sachen erotischer Anziehungskraft definitiv nicht gefragt.

Ich erinnere mich noch an die Gespräche, die die coolen Girls nach dem Turnunterricht unter der Dusche führten.
„Weisch, dä hät gar kei Ahnig gha, wiä ä Frau wiä ich funktioniert. Mann, hät dä sich gschämt.“
“Jo, gell. Und dä M. hät viel dä grösser!”
“Jo. Dä isch au cool.”

Es scheint heute nicht anders. Mädchen und junge Frauen, die gemäss Zeitgeist als attraktiv wirken, sind Freiwild. Die Jungs sind nicht anders als vor 20 Jahren. Sie machen einen auf gross. Das macht aber offensichtlich nur wenig Eindruck auf die Frauen. Tschäggsches?

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One thought on “Über blonde Haare, Chicks und echte Männer

  1. “Mädchen und junge Frauen, die gemäss Zeitgeist als attraktiv wirken, sind Freiwild.”
    Versteh’ ich nicht. Die “angesagten Chicks” werden doch von allen umworben und haben die freie Auswahl.

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