Einmal Bildung bitte fürs Schweizer Fernsehen!

Das mit der Frauenbewegung ist ja so eine Art running gag in der Schweiz. Die einen finden, es braucht’s nicht, weil wir Schweizer Frauen ja soooo privilegiert sind. Die anderen finden, darunter auch ich, dass es immer wieder fragwürdige Anzeichen gibt, wie es um den Stellenwert der Schweizer Frau als solches bestellt ist.

Das beste Beispiel ist dieses leidige “Prestigeprojekt” des Schweizer Farbenfernsehens namens „Die Schweizer“. Im November werden unter anderem „vier abendfüllende Filme über sechs grosse Figuren der Schweizer Geschichte“ ausgestrahlt. Weil es ein Prestigeprojekt ist, kostet es auch nur fünf Millionen Franken. Da bin ich aber sehr froh!

Natürlich dreht sich keiner der vier Filme um eine Frau, genau so wenig wie eine Frau bei den „sechs grossen Figuren der Schweizer Geschichte“ zu finden wäre.

Ich gehöre beileibe nicht zu den Frauen, die darauf bestehen, dass man dieses mediale Geschichtsobjekt „Die SchweizerInnen“ hätte nennen sollen. Sprachliches Hickhack stösst mich als Autorin ab.

Ist es aber wirklich so, dass es keine historisch spannenden Frauen gab? Was ist mit Anna Göldi, der Frau, die als letzte Hexe hingerichtet wurde? Zu wenig interessant?

Dann wäre da Carmen Mory, eine Gestapo-Agentin, zugegebenermassen keine Heldin, aber dennoch eine höchst interessante Figur.

Dann wäre da noch Iris von Roten. Ihre Lebensgeschichte hat doch zumindest die Schweiz geprägt? Ein zu heisses Eisen?

Was ist mit Sophie Taeuber-Arp? Mit Clara Thalmann? Die kennen die Herren vom Schweizer Fernsehen wohl nicht…

Bitte verstehen Sie mich recht: ich liebe historische Projekte. Ich finde es wichtig, dass gerade das Schweizer Altherren-Fernsehen den Zuschauern ermöglicht, sich weiterzubilden. Doch zur Geschichte der Schweiz gehören nun mal auch Frauen, um so mehr, als dass diese bis in die 70er des letzten Jahrhunderts nicht einmal bundesweit abstimmen durften. Gilt nur: Irgendwer hat die ganzen „grossen Figuren der Schweizer“ geboren. Dass es auch noch andere gab und gibt, ist also nicht publikumswirksam? Ein Frauenbild, das die Frau zu Mutter und Herrin im Haus degradiert, ist altmodisch und einfach nur peinlich.

So wird mir an jenen Abenden wohl nichts anderes übrig bleiben, als umzuschalten. Mitbezahlen darf ich diesen Spass trotzdem.

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One thought on “Einmal Bildung bitte fürs Schweizer Fernsehen!

  1. Ich erinnere mich immer “gerne” an das Beispiel der drei grössten und erfolgreichsten Schweizer Autoren wo man sicher sein kann, dass Frisch, Dürrenmatt und Gotthelf genannt werden, aber nicht die Nummer ein der Schweizer AutorINNEN (Johanna Spyri)
    Und das zeigt dann eben wieder, dass Frauen, wenn sie nicht mit-gesagt werden, auch nicht mit-gemeint werden. Deshalb denke ich trotz allem, dass das doofe sprachliche Hickhack eben doch sein muss wenn die Beteiligung von Frauen sichtbar gemacht werden soll.

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