Gedanken zur Wehrpflicht

Mit grossem Interesse verfolge ich die Diskussionen zur Abstimmung der GSOA-Initiative. Spannend finde ich die Argumente der Befürworter. Sie sind gelinde gesagt überraschend.

Bei der Diskussion über die Wehrpflicht der Männer tauchen mit einem Mal Argumente auf, die hochemotional und geschlechterspezifisch sind. Gestandene Männer regen sich auf, dass Frauen überhaupt über dieses Thema abstimmen dürfen. Schliesslich müssen Frauen nicht einrücken. Wie also sollen sie mitreden, wenn es sie gar nicht betrifft?

Wer vor Jahren solche Argumente bei Abstimmungen wie beispielsweise der Mutterschaftsversicherung brachte, wurde als übler, männerhassender Blaustrumpf beschimpft. Natürlich dürfen in einem freien, ach so tollen Land wie der Schweiz beide Geschlechter über alles abstimmen. Alles andere wäre Diskriminierung.

Dass die Männer plötzlich Punkte bringen, wie „die Frauen sollten aber auch Wehrdienst leisten“ ist ebenfalls amüsant. In gewisser Weise tun sie es nämlich schon längst. Sie waschen die Wäsche ihrer Männer und Söhne, wenn sie aus dem Dienst kommen. Sie hören zu und trösten. Das ist jetzt natürlich sehr zynisch, passt aber zum Bild, das allgemein von der „guten Frau“ hierzulande herrscht.

Man kann sich wirklich fragen, wie sinnvoll der Einzug von jungen Frauen und Männern in die Armee ist. Wie müsste dieser Dienst aussehen? Würde dadurch mehr Sicherheit bestehen? (Wenn Sie mich fragen, nein.) Würde mehr Gerechtigkeit herrschen?

Ein Argument der GSOA ist die Gerechtigkeit in Sachen Einbezug. Auch hier wundert sich frau, dass (wohlhabende) Sportler wie Roger Federer offensichtlich nicht eingezogen werden, da sie Ärzte in der Hinterhand haben, die sie davon befreien. Hoffnungsvolle Sportler bekommen ein von der holy Swiss Army abgesegnetes Spezialangebot und dürfen dosiert trainieren. Was aber ist mit all jenen Männern, die einfach nur ihren Beruf ausüben wollen?

In meinem näheren Umfeld nehme ich die Musterung als persönliches Drama für die betroffenen jungen Männer wahr. Sie sind verunsichert, gerade was ihre weitere berufliche Laufbahn angeht. Mehr als einer bezeichnet den Wehrdienst als verlorene Zeit. Probleme wie Drogenkonsum und Alkoholmissbrauch werden vermehrt erwähnt.

Sehr beeindruckt hat mich zu diesem Thema Brenda Mäder, die sich klar und sachlich zu diesem Thema zu Worte gemeldet und Argumente unterlegt hat, die mich, jenseits der Geschlechterdiskussion, überzeugt haben. Sie hinterfragt die Art und Weise des unfreiwiligen Einzugs. Im Thurgau ist die Stellungnahme einer jungen, intelligenten Frau offensichtlich nicht gefragt. Sie wurde beleidigt und beschimpft.

Geschieht den Männern hier ein Unrecht?
Oder baden die jungen Männer von heute einen ausgelutschten Mythos von gestern aus?

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