Warum es Feminismus braucht

Viele Frauen in meinem Alter denken: was soll der Scheiss?
Wir Frauen können Berufe lernen. Auto fahren. Andere Frauen lieben.
Wir haben sogar die Möglichkeit, einen Orgasmus selbst auszulösen. Ohne Mann! Was für ein grosser Schritt!!
Was interessiert mich die Frauenbewegung?

Tja, Mädels.
Wenn’s denn so einfach wäre.
(Männerschützerinnen hören jetzt bitte weg. Sonst könnten sie sich eventuell aufregen oder sich gar in den wohlgeformten Ausschnitt übergeben)

Feminismus ist wichtig, dort, wo Frauen benachteiligt werden, ganz einfach, weil sie Frauen sind.

Es gibt Frauen, denen werden die Schamlippen abgeschnitten. Ohne triftigen Grund!
Andere werden gesteinigt, weil sie sich zu wenig verhüllt haben oder weil sie ausserhalb ihrer Ehe jemanden geliebt haben.
Eine vergewaltigte Frau muss ins Gefängnis, weil sie ausserehelichen Sex hatte.
Es gibt Mädchen, die werden vergewaltigt, obwohl sie erst fünf Jahre alt sind.

Fühlst dich jetzt noch wohl in deinem schön dekorierten Haus, Freundin?

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11 thoughts on “Warum es Feminismus braucht

  1. Mir fehlen hier zwei oder drei Argumentationsschritte. Die vier Vorfälle, die abschließend aufgelistet werden, scheinen absolut verwerfliche Taten zu sein, die niemand verteidigen kann und will. Sie resultieren aber aus einem latenten Alltagssexismus, einer Formulierung von Geschlechterrollen in denen Männer gesagt wird, ihre Macht sei an Übergriffigkeit und sexuelle Gewalt zu koppeln – und Frauen gesagt wird, sie müssten mit dem männlichen, unkontrollierbaren Begehren umgehen. Wir leben in einer »Rape Culture« in der Vergewaltigungen und Übergriffe gedanklich und spielerisch zum Rollenverständnis gehören und wir uns deshalb nicht wundern dürfen, dass sie auch tatsächlich passieren. Der Grund, warum es Feminismus braucht, ist der, dass 14-jährige Mädchen auf Schulausflügen sich Pfiffe, Gehupe und Anzüglichkeiten anhören müssen und den Eindruck haben, sich daran gewöhnen zu müssen. Die drastischen Fälle sind dann eben nicht Unfälle, sondern die logische Folge dieser Kultur.

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    1. Ich weiß nicht aus welchem fernen Land der Philippe Wampfler da berichtet und seit wie vielen Jahren schon er die immer gleichen Stereotype (u.a. in seinem Blog) verbreitet. Dieses Verständnis von Geschlechterrollen jedenfalls, von dem er da phantasiert, war zuletzt in den 90ern Thema der Selbstreflektion unter Jugendlichen und heutzutage absolutes “No-go”.

      Auf jeden Fall ist dem Philippe Wampfler sehr daran gelegen, HIERZULANDE einen Gegensatz zu kultivieren zwischen Männern und Frauen nach dem altbekannten “Täta-Opfa”-Schema und sie dadurch gegeneinander aufzubringen.
      Dabei sind die Männer die “Täta” – bis auf den Einen, dem die armen armen wehr- und schutzlosen Frauen sich anvertrauen können, der sich für sie einsetzt und der ihnen Schutz bietet: Philippe Wampfler, der edle Ritter!

      Das alles hat mit unserer Realität hier und heute herzlich wenig zu tun. Insbesondere gibt es HIERZULANDE keinen “Alltagssexismus” und keine “Rape-Culture”. Körperliche Übergriffe sind nicht nur gesellschaftlich und kulturell verpönt. Auch bereits kleinere Grabschereien sind bei Mädels im Zweifel strafbar – bei den Jungs komischerweise nicht, da darf frau hemmungslos zulangen.
      Wie kann man da von “Rape-Culture” sprechen? – Außer man braucht das, um den “weißen Ritter” spielen zu können.

      Und was “Pfiffe, Gehupe, Anzüglichkeiten” etc. unter Jugendlichen, Mädels und Jungens, angeht – der Philippe Wampfler war vermutlich nie wirklich in dem Alter, der versteht das nicht…

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  2. Lieber Philippe, mir geht es ums eingeschlafene Bewusstsein der Frauen. Für die meisten meiner Geschlechtsgenossinnen scheint sich die Frage nach Gerechtigkeit im Umgang mit Frauen erledigt zu haben. Die wenigsten interessieren sich für das Thema, weil wir es doch sooo bequem haben, zumindest hier in der Schweiz. Bei den weiterführenden Fragen nach Umgang mit den Jugendlichen, der Rape Culture, gebe ich dir recht.

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  3. Wenn es um die Frauen geht, die du hier erwähnst, bin ich voll dabei. Auch diese haben ein Leben verdient wie es Frauen hierzulande haben.
    Aber mal ehrlich, wie oft hört man Feministinnen diese Frauen zu erwähnen? Was bringt Quote, #aufschrei, Genderdebatte, 160k $ für Videos über angeblichen Sexismus in Computerspielen und was weiss ich noch alles, den Frauen in religiösen, rückständigen Staaten, den Frauen die täglich mit der Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt sind, nur weil sie studieren, Auto fahren, Firmen grüden, freie Liebe wollen?
    Feminismus hierzulande geht es hauptsächlich um Vorteile für eine privilegierte Minderheit von Frauen im Westen. Kampf gegen Unterdrückung und für Gleichberechtigung aller Geschlechter, aller Menschen weltweit, ist ein Grundanliegen des Humanismus! Wir müssen die Ausbeutung aller Menschen weltweit eindämmen, denn in Wohlstandsgesellschaften geht es auch den Frauen gut. Schau dir die sozialen Umstände in diesen Ländern an und setze sie in Relation zu den Frauenrechten, fällt was auf? Richtig, je schlechter es um die sozialen Umstände seht, desto größer ist die Diskriminierung, desto schlechter um die Rechte von Frauen, Kindern, Alten, Randgruppen bestellt, desto mehr Gewalt gibt es gegen die, die sich weniger wehren können. Darum Humanismus, darum soziale Gerechtigkeit weltweit! Wozu Feminismus?

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  4. Habe ich behauptet, dass sie keine wären? In der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gibt es keinen Geschlechtsbezug. In der Ächtung von Unterdrückung, Gewalt und Totalitarismus gibt es keinen Geschlechtsbezug.

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  5. Liebe Zora,

    Mir waren und mir sind “Ismen” immer ein wenig suspekt. FeminIsmus, KommunIsmus, AlkoholIsmus, IslamIsmus und wie sie alle heissen … Sie lenken in allen Fällen vom eigentlichen Sachverhalt ab, engen die eigentliche Gedankenfreiheit ein und werden somit zu “Schutzengeln” von Gedankenbeschneidung und ideologisch gefärbter und geprägter Gefängnismentalität.

    Deshalb mag ich den Feminismus nicht. Nur deshalb, und nicht, weil ich meine schöne Wohnstube verteidigen möchte.

    Die Wertschätzung der Frauen hingegen liegt mir sehr am Herzen und hier möchte ich eine junge Frau zu Wort kommen lassen, die den Begriff “Wertschätzung” mehr als verdient hat.

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  6. Ist das Feminismus (ernstgemeinte Frage)?
    In deinen Beispielen geht es um Verletzungen der Menschenrechte: Recht auf körperliche Unversehrtheit, Recht auf sexuelle Selbstbestimmung usw. In deinen Beispielen sind Frauen die Opfer. Aber ist es Feminismus, diese Verbrechen zu bekämpfen, und nicht vielmehr ein allgemeines Eintreten für die Menschenrechte? Ist denn der sexuelle Mißbrauch besser oder weniger schlimm, wenn er an Jungen durchgeführt wird, wie es in der katholischen Kirche Usus ist (dank Zölibat dürfen sie ja ihren Geschlechtstrieb nicht mit erwachsenen Frauen im gegenseitigen Einvernehmen ausleben)?

    In der Sache stimme ich dir zu, bin mir nur nicht sicher, ob “Feminismus” de richtige Begriff dafür ist.
    Übrigens tust du dir meines Erachtens keinen Gefallen mit deinem Satz “Männerschützerinnen hören jetzt bitte weg”, da deine Beispiele eben nicht “Ansichtssache” sind, sondern klare Menschenrechtsverletzungen. Die z.B. in Deutschland auch durchaus und aus gutem Grund strafbar sind.

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  7. Es braucht übrigens immer noch Feminismus, weil Frauen auch hier in der Schweiz immer noch – übrigens auch extrem gut ausgebildete hochbezahlte Frauen – weniger Geld für gleichwertige Arbeit bekommen als Männer. … einfach mal, um auch Gründe zu nennen, die nichts mit Übgergriffen zu tun haben…

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  8. Spannend, die Diskussion und immer wieder die gleichen Argumente.
    Frauen sollen nicht für sich kämpfen, sondern für mehr Gerechtigkeit für alle. Sie haben es immer getan und immer wieder. Und jedesmal haben sie zwar Seite an Seite mit dem Männern für mehr Menschenrechte gekämpft aber sobald die ihr Ziel erreicht hatten, wurden die Frauen heimgeschickt, ihre Rechte mit Füssen getreten.
    Beispiele gefällig?: Französische Revolution, US-amerikanische Abolitionsbewegung, Bürgerrechtsbewegung,….. und als neuestes Beispiel der sog. arabische Frühling.
    Die Frauen müssen explizit für sich selbst und ihre eigenen Rechte kämpfen – denn sonst tut es KEINER!

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