Einmal Beleidigung und Bedrohung bitte, Fräulein!

Manch ein Kleingeist mag es ihm gegönnt haben. Manch einer wird gedacht haben: Recht geschieht’s diesem arroganten SVPler, diesem Mann mit der grossen Klappe.

Der Zürcher Kantonsrat Claudio Zanetti, ein Freund meiner Familie, machte publik, dass er Drohmails und -Anrufe erhielt und die Staatsanwaltschaft nicht auf seine Anzeige eintritt. Menschen, die ihr politisches Heu auf derselben Bühne wie Zanetti haben, mögen es auf eine Parteilichkeit der Staatsanwaltschaft schieben. Als Feministin sehe ich es differenzierter und nicht unbedingt emotionsloser:

Opfer von Drohungen werden meistens nicht ernst genommen und abgekanzelt. Frauen und Männer kriegen es unterschiedlich zu spüren. Ein Mann, der eine Drohung anzeigt, muss mit dem Makel des Feiglings oder des Waschlappens rechnen. Ein richtiger Mann, der notabene seine Dienstwaffe zuhause im Putzschränkchen stehen hat, braucht doch vor einem Bedroher keine Angst zu haben! Eine Frau, die eine Drohung anzeigt, muss sich einerseits fragen, ob man sie des bösartigen „Opferabos“ bezichtigt oder im geheimen für zu hässlich hält. („Der Mann drohte damit, Sie zu vergewaltigen? Sind Sie sicher, Frau?“)

Gesetzt den Fall, einer meiner Nächsten, meiner Verwandten oder Freunde bekäme, wie Claudio Zanetti, ein solches Drohmail (an die Wand gestellt werden, in die Limmat geworfen werden), würde ich mich sehr sorgen. Bei aller Wut: solche Dinge wünscht man einem Menschen nicht an den Hals. Ein Mensch, auch wenn er Mitglied einer nicht gerade als sozial verträglich bekannten Partei ist, bleibt doch ein Mensch mit Gefühlen und dem Recht auf Unversehrtheit.

Man mag sich fragen, warum Menschen überhaupt in die Politik gehen. Diese hat offensichtlich nicht nur Sonnenseiten. Die Schattenseiten sind bedrohlich – auch für das Umfeld. Von jedem x-beliebigen Trottel beleidigt oder bedroht zu werden, nur weil einem die Meinung nicht passt, mag man als „unangenehm“ herunterspielen. Aber was ist mit der Familie, Freunden und Bekannten? Diese stehen nicht im politischen Rampenlicht, bekommen aber Beleidigungen und Bedrohungen genau so ab.

Wenn also ein Mann wie Claudio Zanetti eine solche Drohung und Beleidigung zur Anzeige bringt, so sollte dies beleidigten und bedrohten Frauen und Männern (Menschen!) ein Vorbild sein, hartnäckig zu bleiben und sich von x-welchen dummen Männern nicht auf den Kopf scheissen zu lassen. Wer sich an die Presse und an die Staatsanwaltschaft wendet, mag als Feigling oder Opferabonnementin verunglimpft werden. Wer es nicht macht, hat so oder so schon verloren.

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3 thoughts on “Einmal Beleidigung und Bedrohung bitte, Fräulein!

  1. Sehr schade, dass fast überall eine andere Meinung nicht toleriert wird. Drohungen gegen Leib und Leben sollen immer ernst genommen werden, da soll es keine Rolle spielen, wer oder was jemand ist.

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  2. Solange eine Nichtanhandnahme generell als Erledigung eines Falles betrachtet wird und selbst bei eklatanter Faulheit die Statistik eines Staatsanwalts aufbessert, wird sich nichts ändern.

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