Ein Plädoyer für die weibliche Selbstbefriedigung

Düster erinnere ich mich an jene Aufklärungslektionen, die ich in der fünften Klasse geniessen durfte. Ich war elf, hatte noch nicht mal meine Periode und ahnte von nichts.

Unser Lehrer war kein sympathischer Mensch. Es schien mir nie, dass er seinen Beruf wirklich mochte. Beim Thema Aufklärung war das anders. Da erst sah ich ihn zum ersten Mal strahlend. Ich erinnere mich an Kopien auf braunem Ökopapier. Zeichnungen von nackten Menschen. Zeichnungen von Penis und Vagina.

Ich fand das Thema damals peinlich. Dies geschah nicht aus einem blossen Schamgefühl heraus, sondern weil ich auf dem Land aufgewachsen und sozusagen mit den Tatsachen des Lebens vertraut war. Leben und Tod, Geburt und Sterben. Ich kannte das.

Was mich dann allerdings verstört hat, war die Art und Weise, wie die männliche Selbstbefriedigung in allen Farben, Formen und Ausprägungen erklärt wurde. Dabei störte mich nämlich nicht, dass dies vom Lehrer erwähnt wurde, sondern die Tatsache, dass die weibliche Selbstbefriedigung keine Sekunde erwähnt wurde. Die Vagina als Lustobjekt hatte in den späten 80ern im Thurgau keinen Stand. Ich kann mich dunkel daran erinnern, dass ich gefragt habe: „Und was machen denn die Frauen?“ Auf diese Frage bekam ich keine Antwort, sondern nur Lachen.

Mir scheint auch heute noch, dass weibliche Selbstbefriedigung quasi nicht existent, weil gruusig oder nicht adäquat, gehandelt wird. Bei einigen Männern und vielen Frauen scheint es nicht ganz angekommen sein, dass wir Frauen nicht nur Dosen mit Öffnung, sondern erregbare Wesen sind. Anders kann ich mir Statements wie: „Er kann mich nicht befriedigen“, nicht erklären. Frauen sind im Gegensatz zu vielen Männern multiorgasmisch. Das bedeutet, sie können sich befriedigen, mehrere Orgasmen erleben und sich wieder befriedigen. Frauen sind sozusagen Lustwundermaschinen.

Irgendwie scheint das aber in den letzten Jahrhunderten vergessen gegangen zu sein. Frau sitzt anständig da. Frau fasst sich nicht an und frau wartet, bis der allein seligmachende Penisträger vorbeikommt, sie befriedigt und heiratet. Frauen, so läuft das nicht. Legt Hand an. Macht euch glücklich.

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3 thoughts on “Ein Plädoyer für die weibliche Selbstbefriedigung

  1. Zum Glück gibts aber auch Männer, die es sehr lustvoll finden, der Partnerin bei der Selbstbefriedigung zuzuschauen! 😉

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  2. Dazu passt ja, dass ein alternder US-Amerikanischer Schauspieler und ehemaliger Kettenraucher heute weltweite Aufmerksamkeit erhält für seine Aussage, Mann könne sich beim Oralverkehr mit Frauen über HPV mit Krebs infizieren. Wenn der Typ nicht jahrelang vor und hinter der Kamera Kette geraucht hätte, fändt ich ihn vielleicht einigermaßen ernst zu nehmen – aber so.

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  3. Interessant! Wir hatten “damals” (ich weiß nicht, ob noch in der Grundschule, also bis 4. Klasse, oder erst später) zwar auch die Fortpflanzungsorgane in der Schule und mußten lernen, wieviele Spermien ein Samenerguß enthält oder wieviele Eizellen die Eierstöcke produzieren, aber über Selbstbefriedigung wurde uns damals nichts beigebracht, weder die männliche noch die weibliche. Ich weiß auch nicht, ob das unbedingt Thema des Unterrichts sein sollte. Wenn man sich jedoch dafür entscheidet, müssen natürlich beide Geschlechter berücksichtigt werden (jetzt werden wahrscheinlich die Trans-Menschen protestieren).
    Wichtig ist, die Kinder PROPHYLAKTISCH über Verhütung zu informieren.

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