Das Märchen von dem Dienstmädchen und dem Brokatkleid

Es war einmal ein alter König. Der hatte einen Sohn, auf den er sehr stolz war. Er liebte seinen Sohn sehr und hoffte, aus ihm würde einmal ein guter König werden. Der König wollte, dass sein Sohn nicht nur eine schöne, sondern auch eine reiche, mächtige und edle Prinzessin zur Frau nahm. Die Königin hingegen wünschte sich für ihren Sohn eine Frau, die ihn so sehr liebte, wie sie selber.

Der König befahl, dass sieben Prinzessinnen sich einfinden sollten. Jede der jungen Frauen war schöner als die andere. Sie trugen edle Kleider und harrten der Dinge. Der Prinz holte eine nach der anderen in sein Gemach. Er hiess sie auf einen der prächtigen Stühle sitzen und warten. Zuerst wurde die Prinzessin begrüsst, dann redeten sie ein paar Worte. Schliesslich klopfte es an der Türe und ein Diener trat ein, der den Prinzen darum bat, ihn kurz zu begleiten, um ein wichtiges Regierungsgeschäft zu besprechen.

Die erste Prinzessin wartete zehn Minuten, dann begann sie zu toben und Keramiken herum zu schmeissen. Ein Diener geleitete sie aus dem Schloss heraus.

Die zweite Prinzessin begann zu weinen, weil sie es nicht gewohnt war, alleine in einem Raum zu sitzen und zu warten.

Die dritte Prinzessin rannte davon.

Die vierte Prinzessin schlief ein und schnarchte.

Die fünfte Prinzessin öffnete all seine Schränke und bestahl ihn.

Die sechste Prinzessin versteckte sich in einem Schrank.

Die siebte jedoch wartete zwei Stunden. Dann entledigte sie sich aller Kleider und legte sich nackt in das Bett des Prinzen.

Als dieser spätnachts erschöpft von des Tages Arbeit ins Bett kroch, bemerkte er sie nicht. Erst am nächsten Morgen sah er ihr sanftes Gesicht, ihre wilden Locken und ihr Lächeln. Er berührte ihre Wangen, ihren Hals und war glücklich.

Der Prinz verliebte sich die Schönheit der jungen Frau und ihre Geduld. Am nächsten Morgen stellte er sie seinem Vater als seine zukünftige Königin vor.
Der König jedoch lachte.
Die Prinzessin, die der Prinz so liebte, war ein Dienstmädchen.

Die Königin nämlich, hatte aus Sorge um ihren Sohn nach einer Frau gesucht, die ihren Sohn wirklich liebte. Ein Dienstmädchen war der Königin aufgefallen, als sie sie dabei beobachtete, wie sie jeden Morgen das Bild des Prinzen im Flur anblickte und dabei strahlte. Die Königin bemerkte, dass des Prinzen Kleider perfekt gebügelt waren und auf seinen Tellern jedes Mal eine kleine Blume lag, damit er sich daran erfreute.

Aus diesem Grunde bat die Königin das Dienstmädchen zu sich und überreichte ihr ein kostbares Kleid, das sie am Tag der Prinzessinnen tragen sollte. Sie gab ihr den Auftrag, sich unter die anderen zu setzen und zu warten, was auf sie zukommen möge. Dies tat das Dienstmädchen.

Der König lachte noch immer, bis er heiser war. Dann wurde er ernst. Er erklärte seinem Sohn, dem Prinzen, dass er diese Prinzessin, die in Wirklichkeit ein Dienstmädchen war, nicht heiraten konnte. Er verbot es ihm. Dieses Frauenzimmer, sprach der König, hat nämlich weder ein Reich, noch ist sie mächtig oder edel.
Der Prinz blickte das Dienstmädchen ernst an und schickte es davon. Er wollte sie nie mehr wieder sehen.

Der Prinz blieb drei Jahre lang ledig und unglücklich. Er ging auf die Jagd, er las kluge Bücher, er zeichnete und er machte Musik. Doch nichts, und vor allem keine Frau, konnte ihm mehr Freude bereiten.

Da ritt eines Tages eine wunderschöne junge Frau auf einem Pferd, begleitet von Dienern in den Hof des Schlosses. Sie trug das allerschönste Kleid, das jemals jemand gesehen hatte. Ihr Kleid war aus rotem Brokat und bestickt mit Diamanten.

Der König selbst empfing die schöne Dame und führte sie ins Thronzimmer. Die Königin sass da und lächelte die Fremde an. Der Prinz jedoch stand wie vom Donner gerührt da.

Die Fremde stand vor ihnen und sie bewunderten ihre Schönheit und ihren Reichtum. Ihre Diener warteten an ihrer Seite.

Da sprach sie:
„Ich bin nicht die, die ihr zu sehen glaubt. Ich bin eine andere. Ich bin das Dienstmädchen. Die Diener an meiner Seite sind meine Freunde, die mich damals aufgenommen haben, als ihr mich davon gejagt habt. Das Pferd gehört meinem Lehrmeister, der es mir ausgeliehen hat, damit ich den Weg zu euch finde. Das Kleid habe ich in meiner Lehre gemacht. Ich bin jetzt Schneiderin. Die Diamanten sind in Wirklichkeit meine zu Stein gewordenen Tränen, die ich um den Prinzen geweint habe.“

Da kniete der Prinz nieder und küsste ihre Hand. In dem Moment war es ihm egal, ob der König seine Einwilligung zur Heirat geben würde. Seine Mutter, die Königin lächelte sanft.

Schon einen Monat später heiratete der Prinz sein Dienstmädchen. Und als es an der Zeit war, wurden sie König und Königin. Sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage.

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