Vom freiwilligen Verlust der Freiheit: ein Plädoyer fürs Konkubinat

Ich gebe es gerne zu. Ich bin total unromantisch.

Kerzen zünde ich nur dann an, wenn mir das Licht der Lampe zu grell ist. Blumen kaufe ich, wenn sie Saison sind oder wenn jemand gestorben ist. Ein weisses Kleid habe ich nie besessen. Ich bevorzuge schwarz. Feste feiere ich lieber im kleinen Kreis.

All dies macht mich vordergründig zu einer nicht-heiratbaren Frau. Und das ist gut so.

Doch das ist nicht alles.
Ich fand Heiraten schon als Kind furchtbar und vor allem für mich unvorstellbar.

Es geht mir heute wie damals; ich verstehe nicht, warum Menschen einen Vertrag miteinander schliessen, sich in Unkosten stürzen, um die verfressene Verwandtschaft und Freunde zu verköstigen, ein Kleidungsstück kaufen, welches sie später niemals mehr tragen werden. In meinen Augen ist das eine Verschwendung von Zeit, Energie und Geld.

Die wenigen Male, die ich auf Hochzeiten eingeladen war, haben mich schwer beeindruckt. Ich begegnete immerzu fröhlichen Menschen, die sich mit fiebrigen Augen anschauten, küssten und mit Blumen und Feuersteinen um sich warfen. Diese Stimmung hat mich eingeschüchtert, weil ich wusste, dass das Leben nun mal nicht so ist. Der Alltag kommt schnell und rücksichtslos.

Ich bin auch immer wieder erstaunt über die Entscheidungen anderer Menschen, ohne sie abwerten zu wollen.

Eine meiner Freundinnen hat beispielsweise bis zu ihrer Hochzeitsnacht mit ihrer Entjungferung gewartet, um dann zu bemerken, dass ihr Ehemann nicht nur ein schlechter, weil unsensibler Liebhaber war, sondern auch noch ein Fremdvögler. Pech gehabt. Das mit der ewigen Liebe und dem ersten Orgasmus hat dann leider nicht geklappt.

Eine andere Freundin, bekennende Christin und wirklich lebensfroh, heiratete einen gläubigen Christen mit dem Resultat, dass sie nun wie eine Nonne lebt und frustriert ist. Sie denkt über eine Affäre nach.

Eine Freundin heiratete einen Mann, der ihr zwar Kinder und Blumen schenkte, aber leider auch Schulden machte. Sie bezahlt heute noch ab, obwohl sie beide längst geschieden sind.

Die vierte Freundin, erfolgreiche und fähige Kollegin, heiratete einen Kollegen. Vor ihrer Heirat träumten sie beide von Jobsharing und dem gemeinsamen Aufziehen ihrer Kinder. Nach der Geburt ihrer Tochter fand er, es wäre doch besser, wenn sie jetzt zuhause bliebe. Das hat sie auch getan. Schliesslich verdiente er genug und mit der Leitungsstelle hat’s dann auch grad schnell geklappt. Sie hat sein Haus in Schwung gehalten, die Kinder erzogen, sich um seine Eltern gekümmert und schlussendlich zur Kenntnis genommen, dass er sich in eine jüngere Berufskollegin verliebt hat. Das hat sie echt aus der Bahn geworfen.

Was als rosakitschiger Traum begann, scheint für Mann und Frau allzu oft in einem Fiasko zu enden. Für die romantischen Geister unter uns mögen Eheringe als Zeichen ewiger Verbundenheit wirken. Meistens sind sie aber Fesseln.

Warum also heiraten wir?
Warum leben wir nicht alle im ewigen Konkubinat?
Warum lassen wir uns in Verträge pressen, die die meisten von uns weder erfüllen können, noch glücklich machen?

Offensichtlich würde es unseren Seelen, unseren Körpern und dem Portemonnaie im Konkubinat (in Freiheit!!) besser gehen.

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One thought on “Vom freiwilligen Verlust der Freiheit: ein Plädoyer fürs Konkubinat

  1. Warum?

    Weil – wenn man mal den Romantik-Kitsch, die blauäugigen Versprechen, die inkompatiblen Lebenspläne undsoweiter weglässt, dann bleibt eigentlich nur noch ein Grund:
    das Bedürfnis, sich so an seinen Partner zu binden, dass es keine Option ist, bei den ersten Anzeichen von Problemen wegzulaufen. Das Bedürfnis, bedingungslos “ja” zu sagen zum anderen und ein bedingungsloses “Ja” zu bekommen.
    Da aber die Sache mit den guten und schlechten Tagen ein sehr anspruchsvolles Unternehmen ist, scheitern viele, weil sie sich nicht bewusst sind, worauf sie sich da wirklich einlassen.

    Wenn es aber funktioniert, dann ist es erhebend, jemanden zu haben, der bedingungslos gestern, heute und morgen zu einem steht.

    Ich fürchte, unter meinem Pragmatismus steckt doch auch noch eine Dosis Idealismus – aber ich finde, nach 21 Jahren glücklicher Ehe darf ich das 😉

    Herzlich, Jacqueline

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